Was Eselsohren über Bücher verraten

Die Kinder-Uni befasst sich am Mittwoch damit, wie wichtig Texte sind und wie sie entstanden.

Stadtmitte (OZ) Was wäre ein Kinderzimmer schon ohne Harry Potter? Ob daheim, in der Schule, in Geschäften oder in Bibliotheken: Überall wimmelt es von Büchern. Doch das war nicht immer so. Sie zu besitzen war lange ein Luxus, weil ihre Herstellung sehr aufwendig war. „Der moderne Buchdruck entstand vor knapp 500 Jahren mit dem Mainzer Goldschmied Johann Gutenberg“, erinnert Wiebke Loseries, die die KinderUni zusammen mit der OZ organisiert. Am nächsten Mittwoch wird verraten, wie Schriftstücke in den Jahrhunderten zuvor entstanden. Auch wieso Bücher so beliebt wurden, wird die Professorin Christiane Reitz von den Altertumswissenschaften an der Uni Rostock verraten.

„Als ich jung war, habe ich Bücher richtig verschlungen, sie mehrmals gelesen und sogar auswendig gelernt“, erinnert sich die Rostockerin. Eine solche Begeisterung möchte sie ihren jungen Zuhörern vermitteln. „Heute blättern junge Leute auf Ipad oder in EBooks, aber eines ändert sich nicht: Sie schauen sich immer noch Texte an.“ Reitz möchte den Kindern vor allem erzählen, wie wichtig das geschriebene Wort in der Menschheitsgeschichte ist. Denn viele Überlieferungen aus dem antiken Griechenland, aus den römischen oder ägyptischen Weltreichen sind nur Zufällen zu verdanken. „Manche Bücher und das Wissen daraus gibt es nur, weil in einer Nische in irgendeinem Kloster noch ein Exemplar vorhanden war - sofern gefräßige Mäuse nicht schneller waren“.

Und das ist nicht mal ein Bruchteil dessen, was in all den Jahrhunderten von Autoren auf dem ganzen Erdball zu Papier - oder vormals Papyrus und Pergament gebracht wurde. „Lange war das, was wir heute als eckiges Buch kennen, eine Rolle“, sagt Reitz. Recht unhandlich, und das Herumblättern war auch nicht sehr einfach.
Selbst das Schreiben funktionierte in der Antike etwas anders. Nicht mit Kugelschreiber, sondern mit einem Griffel auf Wachs oder später Schiefertafeln ritzten die Menschen damals Buchstaben ein.

Aber egal, womit etwas worauf geschrieben wurde, jedes Schriftstück war vergänglich. Genau deshalb lebt Christiane Reitz für ihr Thema, es ist eine ihrer Leidenschaften. „So ein Buch, dem kann man ansehen, dass es geliebt wurde. Jedes Eselsohr an den Seitenrändern, jeder Kaffeefleck, jede Notiz am Rand kann eine Geschichte erzählen.“ Erst seit knapp 200 Jahren als der Buchdruck billiger wurde stehen Bücher auch in Mamas und Papas Regal oder liegen im Kinderzimmer.

Christiane Reitz ist vor ihrem Auftritt im Audimax jedenfalls schon nervös. „Das ist für mich eine neue Erfahrung, ich lerne daraus auch etwas. Normalerweise spreche ich ja zu Studenten, ich habe keine Ahnung, wie die Kinder auf mich reagieren“, gibt sie zu. Einen Wunsch hat die Wissenschaftlerin: „Es wäre schön, wenn die Kinder nach der Stunde Respekt vor den 2500 Jahren gewinnen, in denen Menschen schon alle möglichen Texte schrieben“.

Zurück