Böse ist der Wolf nur im Märchen

Bei der letzten Kinder-Uni von OSTSEE-ZEITUNG und Universität vor der Sommerpause hat Anja Franke vom Wildpark Güstrow den 350 Zuschauern im Audimax allerhand über das Tier verraten

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Im Märchen ist er ja immer nur der Böse und verängstigt die sieben Geißlein genauso wie die Großmutter und das Rotkäppchen. „Dabei ist er gar nicht immer nur gemein, sondern auch lieb“, stellt Maximilian (9) aus Lambrechtshagen fest. Er ist gestern Nachmittag einer von etwa 350 Besuchern der letzten Kinder-Uni-Vorlesung von OSTSEE-ZEITUNG und Universität in diesem Semester. Zum Abschluss ist es mal wieder tierisch zugegangen. Anja Franke erzählte den großen und kleinen Zuhörern etwas über den Wolf.

Und tatsächlich ist das Tier, das einst in Deutschland schon ausgerottet war, nicht per se gefährlich. „Er ist sogar recht ängstlich“, erzählt die Biologin, die viel mit Wölfen an ihrem Arbeitsplatz, dem Wildpark (früher Natur- und Umweltpark) in Güstrow, zu tun hat. Ganz gebannt lauschen die Knirpse ihr bei der Aufzählung einiger beeindruckender Fakten. So hat der Wolf 42 Zähne im Maul, die er auch unbedingt zum Jagen braucht. Und seine Backenzähne sind ganz anders als die der Menschen, weil er Fleischfresser ist und rohes Fleisch auseinanderreißen muss. Dass der Wolf so spitze Backenzähne hat, wusste die sieben Jahre alte Lucy aus Pastow gar nicht. „Aber was er frisst, das wusste ich schon vorher“, erzählt die Kleine stolz.

Rehe gehören zum Speiseplan des Tieres, das seit etwa 20 Jahren wieder in freier Wildbahn in Deutschland lebt – überwiegend in Sachsen, wohin er aus dem Nachbarland Polen rüberwandert. Auch Kaninchen, Vögel, Mäuse und Wildschweine. „Aber an Frischlinge, die von Bachen, also den Müttern gut beschützt werden, traut er sich nicht heran“, erklärt Franke den Nachwuchsstudenten. Denn die würden sich ganz schön wehren – und wie gesagt: Der Wolf ist eigentlich ein ängstliches Wesen.

Und wo leben Wölfe am allerliebsten, will die Dozentin von den Jungen und Mädchen im Audimax wissen. „Da, wo viel Wasser ist“, ruft einer. „Und wo sie viel Nahrung finden“, sagt ein Mädchen. Ganz richtig, freut sich Franke über das Wissen der Lütten. Aber noch etwas ist sehr entscheidend bei der Suche nach einem Revier: die Schutzzone. „Die Mamas müssen ihre Jungen ja in Geborgenheit großziehen“, sagt sie. Die kleinen Wölfe werden in einer Höhle geboren. Die kann durchaus neun Meter tief in die Erde hinein gehen. Ganz am Ende werden sie nach 60 Tagen Tragezeit geboren und ernähren sich wie Menschenkinder erstmal nur von der Milch der Mutter. Anschließend müssen sie – ebenso wie Menschenkinder – an festere Nahrung gewöhnt werden. Sie bekommen auch einen Brei. Den kocht aber niemand für sie aus Karotten und Kartoffeln. Der Brei der Wolfsjungen kommt aus dem Magen der Mutter. Klingt eklig? Ist aber ganz normal in der Wolfswelt. „Die Mütter fressen, schlucken es runter und verdauen es im Magen bevor sie es hervorwürgen, damit es die Kleinen quasi püriert fressen“, erklärt die Wolfsexpertin.

Und wer schon immer dachte, der Wolf sehe anderen Tieren ähnlich, liegt richtig. „Ich finde, der sieht aus wie ein Hund“, meint ein Kind im Hörsaal. Ja, das stimmt auch. Und: Der Wolf ist nah verwandt mit Schakalen und Kojoten, auch der Fuchs gehört zur Verwandtschaft. „Aber man kann den Wolf aus der Wildbahn nicht einfach herausnehmen und dann zu Hause wie einen Hund halten“, warnt die 35-Jährige.

Besonders spannend findet der kleine Maximilian, dass die Wölfe stets im Rudel unterwegs sind und jagen. „Das wusste ich vorher gar nicht.“ Anja Franke erzählt, dass sie zudem tolle Spurenverwischer sind, „weil es einen Wolf gibt, der vorgeht und alle anderen treten genau in seine Fußstapfen hinein, so dass man nicht erraten kann, wie viele Wölfe genau auf dem Weg unterwegs sind“.

Die Wissensvermittlung macht schließlich hungrig: Wie immer gibt es zum Abschluss der Kinder-Uni im Sommer ein Fest auf dem Ulmencampus. Dieses Mal locken Physikstudenten mit Eierkuchen an Ständen zu einer Party. Und wer zuvor bei der großen Tombola Bücher- oder auch Kinogutscheine gewonnen hat (Bedingung für Verlosung ist volle Stempelkarten durch Besuche aller Kinder-Unis), hüpft noch glücklicher in der aufgeblasenen Burg.

(Text & Fotos: Claudia Tupeit)

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