Den Ursachen von Meeresmüll auf der Spur

Mirco Haseler forscht zu Mikroplastik / Seine Arbeit stellt er in der Kinderuni vor

Warnemünde. Die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Vor allem Mikroplastik, also besonders kleine Kunststoffteilchen, sind eine Gefahr für das Ökosystem Wasser. Betroffen sind aber auch die Strände, an denen sich Abfall sammelt, der entweder vom Meer an Land gespült wurde oder direkt dort zurückgelassen wurde. Genau da setzt die Arbeit von Mirco Haseler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) an. Der 35-Jährige entwickelt Monitoringstrategien, um herauszufinden, wie viel Müll an den Stränden tatsächlich aus dem Meer und anderen Quellen stammt.

Häufig werde nur die Oberfläche in den Fokus genommen, auch bei Strandreinigungen bleibe viel Plastik liegen, das viel tiefer liegt, sagt Haseler. „Größeres Mikroplastik ist klein genug, um nicht aufgesammelt zu werden, aber groß genug, dass man es immer noch sehen kann“, betont er. Er selbst ist auch oft mit dem Boot auf der Warnow unterwegs, von dem aus mit einer Art Kescher Proben entnommen werden. Auch diese werden nach ihrer Herkunft untersucht. „Man weiß, dass weltweit betrachtet etwa 80 Prozent des Plastikmülls vom Land kommen und nur 20 von der Seeseite, also von Schiffen und Co“, berichtet der Doktorand. Große Events wie die Hanse Sail oder den Neujahrsabend welche tendenziell ein starkes Verschmutzungpotenzial aufweisen, haben die Forscher dabei genau im Blick.

Besonders bei kleinen Plastikteilen ist die Quelle schlecht ermittelbar. Hilfreich ist da die Infrarot-Spektroskopie, ein Verfahren, mit dem die Zusammensetzung einer Substanz bestimmt werden kann. Wenn der molekulare Aufbau der gefundenen Teilchen klar ist, können die Forscher auch bessere Rückschlüsse auf die Herkunft des Mülls ziehen. Das soll am Ende dabei helfen, das Problem Plastikmüll in den Griff zu kriegen, sagt Haseler. „Es geht uns mit der Forschung vor allem darum, Vermeidungsstrategien zu entwickeln.“

Das alles wollen Haseler und sein Team am 21. Juni auch den Teilnehmern der Kinderuni präsentieren. „Wir wollen erklären, wie Mikroplastik überhaupt entsteht“, sagt Haseler über den Aufbau der kindgerechten Vorlesung. So werden die Zuhörer im Alter von sechs bis 12 Jahren erfahren, dass die Partikel ihren Weg in Flüsse und Meere unter anderem über die Waschmaschine nehmen. Denn kleinste Fasern von synthetischer Kleidung würden von der Kläranlage oft nicht gefiltert und so in der Warnow und schließlich in der Ostsee landen, erklärt Haseler. Aber auch in Alltagsprodukten wie Waschgels und Peelings sind die kleinen Plastikteile enthalten.

Um das komplexe Thema so anschaulich wie möglich zu machen, stellen die Wissenschaftler unter anderem eine Probenentnahme mit einem Aquarium und einem Minikescher nach. Auch die Konsequenzen, die der Müll auf die Umwelt hat, werden in der Kinderuni beleuchtet. „Wir erklären ihnen zum Beispiel, dass die Fische das Plastik dann im Magen haben, weil sie Tüten zum Beispiel mit Quallen verwechseln und sie fressen.“

Das Thema Umweltschutz liegt Haseler schon seit seiner Kindheit am Herzen, erzählt er. Hinzu kam eine Leidenschaft für Wassersport – „wobei ich verstärkt gesehen habe, wie verschmutzt die Strände sind“. Als sich dann die Chance ergeben habe, ans IOW zu gehen, habe er nicht gezögert. Dass er mit seiner Arbeit nicht nur vor Fachpublikum glänzen muss, ist für ihn einer der Vorteile. „Ich finde es gut, dass ich an die jungen Generationen appellieren kann, damit sich in Zukunft etwas ändern kann“, sagt er.

Darauf ist seine gesamte Arbeit ausgerichtet. Denn die Monitoring-Strategien sollen vor allem von Freiwilligen genutzt werden, also Schülern, Anwohnern, Ehrenamtlichen. „Es sollen nicht immer nur die Wissenschaftler an den Strand“, sagt Haseler.

(Text: Christina Milbrandt, Foto: IOW)

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