Die Klebepistole gewinnt die Kraftprobe

Kinder-Uni: 300 Teilnehmer schauen zu, wie Chemiker Udo Kragl mit haftenden Stoffen experimentiert.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Mit lautem Jubel ist die dritte Vorlesung des Sommersemesters an der Kinder-Uni gestern zu Ende gegangen. Der Professor für Technische Chemie, Udo Kragl, hat den kleinen Studenten erklärt, warum Klebstoff klebt. Die Kinder-Uni ist ein gemeinsames Projekt der Universität Rostock und der OSTSEE–ZEITUNG.

Die Spannung im Saal steigt deutlich. 300 Kinder in den Sitzreihen und ihre Begleiter halten die Luft an, als Udo Kragl auf der einen Seite gegen Wiebke Loseries und Christoph Gelzenleuchter auf der anderen Seite antritt. Zwischen ihnen an einem Seil gespannt zwei Holzbrettchen – gehalten durch Klebe aus der Heißklebepistole. Das Tauziehen gewinnt: Niemand. Der Klebstoff hält bombenfest und ist der eigentliche Gewinner der gestrigen Veranstaltung im Audimax auf dem Ulmencampus.

Kann denn Wasser kleben? Die Antwort kennt die achtjährige Alissa Stritz nach der Vorlesung ganz genau: „Nur, wenn man die Platten gerade runterhält und nicht verschiebt.“ Ja, das ist auch bei Honig so, bewies Udo Kragl mit zwei Holzbrettern, die er mit dem süßen Stoff beschmiert hat. Aber warum? „Das weiß ich nicht mehr“, sagt die Zweitklässlerin kopfschüttelnd. Die Antwort liege in der Struktur des Stoffes. Für Klebestoffe an sich gilt: Je rauer die Oberfläche, desto besser kann der Klebestoff die Unebenheiten ausfüllen und sich mit dem anderem Objekt verbinden.

Dass die Kinder nichts von Kohäsion (zusammenhängen) oder Adhäsion (anheften) verstehen, ist Nebensache. Aber dass der Prittstift, den die meisten vom Basteln kennen, eine kleine Wasserflasche mit 0,5 Litern aushält, das kann jeder sehen. Sie baumelt als Gewicht an den Holzbrettchen, die Kragl zuvor aneinandergeklebt hatte. Dann poltert es. Der Kraftkleber hat das Gewicht nicht gehalten. Aber warum nicht, will Udo Kragl wissen? „Weil du nicht gewartet hast“, tönt es aus der letzten Reihe. Ja, genau. „Manche Kleber brauchen Zeit, bevor sie wirken.“ Erstaunte Gesichter auch bei den erwachsenen Begleitern. Wer hätte gedacht, was passiert, wenn man versucht, Styropor mit Alleskleber zu versehen? Er schmilzt die Struktur förmlich weg. Auch um Plexiglas miteinander zu verbinden, kann man nicht jeden Kleber verwenden. „Dazu braucht man speziellen Kleber“, sagt der Dozent. Er nimmt noch die Gefahrensymbole durch, die Kinder folgen aufmerksam, und dann geht es über zum Tauziehen, bei dem der Kleber aus der Heißluftpistole gewinnt.

„Das hat mir gut gefallen, es hat Spaß gemacht“, sagt die achtjährige Emily Wüstling hinterher, die mit ihrer Mutter, ihrer Oma und ihrer Schwester aus Pastow angereist kam. Sie war schon das dritte Mal dabei. Und auch Alissa zieht ein Fazit: „Es war total interessant.“

Die nächste und letzte Vorlesung für dieses Sommersemester findet am 24. Juni ebenfalls im Audimax statt. Die jungen Teilnehmer dürfen gespannt sein. „Es wird auch ein Flugobjekt geben“, verrät Organisatorin Wiebke Loseries. Es werde mehrere kleinere Vorlesungen mit Überraschungsgästen geben. Auch Uni-Rektor Wolfgang Schareck wird da sein. Der Abschluss der Kinder-Uni wird an dem Tag mit einem buntem Sommerfest gefeiert, zu dem jeder kleine Student eingeladen ist.

 

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Kinder-Uni: Warum klebt Klebstoff? Chemie-Professor Udo Kragl erklärt Kindern die Welt des Haftenden. (Foto: Thomas Mandt)

 

Kinderreporterin Emily (8): Das war lustig

Das Thema heißt „Warum klebt Klebstoff?“ Ich fand es lustig, wie der Professor die Sachen erklärt hat, die kleben. Und ich fand es auch gut, wie der Professor Experimente gemacht hat. Honig hat wenig ausgehalten. Kraftkleber hat ein bisschen mehr ausgehalten – zwei große Flaschen. Die Heißklebepistole hält zwei große Flaschen aus. Der Prittstift hält auf jeden Fall eine kleine Flasche aus, der Klebestift eine große Flasche. Die Gefahrensymbole bedeuten anbrennend, reizend und tödlich.

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Emily Wüstling (8 Jahre), 3. Klasse Grundschule Carbäk, wohnt in Pastow

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