Essen wie die Griechen und Römer

Wissenschaftler Wytse Keulen entführt rund 250 Kindern in die Zeit der Antike. Es gibt Weintrauben und Käse.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Staunende Kinderaugen im Hörsaal des Audimax: Christoph Gelzenleuchter, Mandy Bethkenhagen, Annelie Marx und Wiebke Loseries tragen Gewänder und essen im Liegen. Es gibt Weintrauben und andere Häppchen. Die gestrige Vorlesung der Kinder-Uni, präsentiert von der Uni Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG, ist eine Reise in die Antike. „Die Griechen und Römer bitten zu Tisch“, lautet das Thema des 45-minütigen Vortrages von Wytse Keulen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften. „Die szenische Darstellung ist toll“, freut sich Niklas Liettke. Der Zehnjährige ist eines von rund 250 Kindern im Hörsaal.

Bevor Keulen explizit auf die Essgewohnheiten und Tischsitten der alten Römer einging, gab es zu Beginn eine zeitliche Einordnung. „Das antike Griechenland war im 5. Jahrhundert vor Christus und das römische Reich existierte im 2. Jahrhundert nach Christus“, sagt Keulen und zeigte dabei Kartenauszüge auf einer Videoleinwand. Gespannt blickten die Kinder auf die Karten und warteten, was der 46-Jährige als Nächstes erzählen wird. „Ihr müsst wissen, dass die Römer zwar die Griechen besiegt haben, aber die griechische Kultur hat die Römer besiegt“, erklärt er. Die Römer hätten sich das Essverhalten von den Griechen abgeguckt.

Anschließend ging es richtig los: Wytse Keulen zeigte Bilder von der römischen Stadt Pompei. „In Pompei wurde eine Gaststätte aus der Antike ausgegraben“, erläutert der Wissenschaftler und beschreibt der Aufbau der Räumlichkeiten. In diesem Augenblick kamen die vier eingangs beschriebenen Darsteller in ihren römischen Gewändern nach vorn und stellte die Essszene in einer römischen Gaststätte nach. Dabei stellte der Wissenschaftler Fragen: „Gab es damals denn auch schon Pizza?“ Im Chor antworteten die Kinder: „Nein!“ „Richtig, denn Tomaten gab es da noch nicht“, betont Keulen. Ein Grundnahrungsmittel der Römer sei die Zwiebel gewesen. „Zur ihren Speisen tranken sie am liebsten Wein mit Honig vermischt“, so der 46-Jährige.

Eine weitere Besonderheit: In der Antike gab es eine spezielle Gewürzsoße namens „Gaurum“. „Das war nichts anderes als eine Fischsoße“, erklärt der Wissenschaftler und bietet den Kindern eine Kostprobe an. Doch einige Kinder lehnen ab. Niklas Liettke zum Beispiel will die antike Gewürzsoße nicht probieren. Der Zehnjährige ist gemeinsam mit seiner Oma Lydia Zapel das erste Mal bei der Kinder-Uni. „Es ist schön, besonders gut finde ich die kindgerechten Erklärungen“, sagt die 55-Jährige und verfolgt mit Niklas weiterhin das Geschehen.

Keulen spricht nun über die Tischsitten und gibt am Beispiel des reichen Römers „Scaurus“ Einblicke in den „Triclinium“. „Als Triclinium bezeichnete man den Speisesaal“, erklärt er. In den privaten Speiseräumen standen drei Liegen, auf der mittleren lag der wichtigste Gast, auf der linken der Gastgeber und auf der höheren weitere Gäste. Um die Worte von Wytse Keulen besser verstehen zu können, setzen Christoph Gelzenleuchter, Mandy Bethkenhagen, Annelie Marx und Wiebke Loseries diese in einer kleinen Theaterszene um. Das kommt bei den Kindern besonders gut an.

„Am besten gefällt mir die Szene, als Scaurus mit seiner Frau um die Mosaiksteine im Speisesaal streitet“, sagt Henry Puls. Am Ende der Vorlesung stellt der Achtjähri-ge fest, dass bei ihm zu Hause auch auf die Tischsitten geachtet werde, so wie bei den Römern. Bei der fünfjährigen Bea Nöske hat der Vortrag den kleinen Hunger angeregt. „Wir müssen jetzt Weintrauben und Würfelkäse kaufen gehen“, sagt Bea zu Mutter Melanie Nöske.

Die 37-Jährige hat ihre Kinder zum ersten Mal zur Kinder-Uni begleitet. „Es ist sehr kindgerecht, das gefällt mir“, sagt Melanie Nöske. Die spielerische Darstellung findet auch bei Jutta Rabending Anklang, die gemeinsam mit Enkelin Pia bei der Vorlesung ist. „Hätte es nur den Redner gegeben, wäre es langweilig geworden. So aber ist es sehr schön gewesen“, sagt die 60-Jährige. Auch die sieben Jahre alte Pia hat Spaß gehabt. Im Mai, wenn es die nächste Vorlesung gibt, wollen sie wieder dabei sein.


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Christoph Gelzenleuchter als „Scaurus“ in Begleitung von Mandy Bethkenhagen (v. l.), Annelie Marx und Wiebke Loseries. (Foto: Ove Arscholl)


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