Flüsse treiben das Salz in die Ostsee

Bei der Kinder-Uni gestern Nachmittag haben die Jungstudenten erfahren, warum das Randmeer salzig schmeckt

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Viele Flüsse fließen in die Ostsee. Sie bringen nicht nur Wasser mit, sondern auch Salz. „Aber die schmecken doch gar nicht salzig“, sind sich die kleinen Studenten bei der Kinder-Uni von OSTSEE-ZEITUNG und Universität gestern einig. Ja, stimmt, aber trotzdem sind sie schuld, dass es in der Ostsee überhaupt Salz gibt, sagt der Kinder-Uni-Dozent Chris Lappe vom Warnemünder Institut für Ostseeforschung (IOW).

Wie kann das also sein? Chris Lappe: „In Steinen ist Natrium enthalten, und wenn das Wasser im Fluss über die vielen Steine am Boden fließt, verbindet sich das mit dem Sauerstoff des Wassers.“ Und prompt gibt es Salz, das direkt in die Ostsee fließt. „Ich wusste gar nicht, dass so viele Flüsse in die Ostsee fließen“, sagt der siebenjährige Felix. Er habe zudem gedacht, dass das Randmeer sein Salz zum Beispiel dadurch bekommt, dass es sich an Kreidefelsen reibt und sich dort Salz mit abtrage, erzählt der junge Nachwuchsstudent, der die Ostsee nach eigenen Erfahrungen „gar nicht so salzig“ empfindet.

Ein ganz richtiger Eindruck, bestätigt ihm Chris Lappe, denn die Ostsee ist viel weniger salzig als zum Beispiel die Nordsee. „Die bekommt viel Wasser aus dem Atlantik.“ Und der sei wie die anderen Weltmeere eben sehr salzig. Durchschnittlich 35 Gramm auf ein Kilo Wasser (entspricht fast einem Liter Wasser) stecken in Pazifik, Indischem Ozean „und im Mittelmeer“, fügt Emily (9) noch hinzu. Vergangenes Jahr sei sie schließlich selbst von Spanien aus dort baden gegangen. „Und da war das Wasser viel salziger als in der Ostsee.“ Das Mädchen aus Broderstorf hat zunächst angenommen, dass zuerst das Salz dagewesen sei und dann erst das Wasser gekommen sei. „Jetzt weiß ich, dass es nicht so ist. Die Vorlesung ist also richtig spannend“, resümiert Emily.

Chris Lappe überzeugt sein junges Publikum nicht nur mit seiner lockeren Art und der recht verständlichen Erzählweise, sondern auch mit vielen Experimenten und Schaumodellen. Um zu zeigen, wie viel mehr Salz in der Nordsee ist, holt er sich Lenas (9) nach vorn. Glas für Glas tastet er sich an das Wasser heran, das im Finnischen Meerbusen zu finden ist. Beim ersten Schluck verzieht der Junge noch angewidert das Gesicht. „Nordseewasser.“ Dann wird es geschmacklich „so na ja“ und schließlich „schmeckt nach fast gar nichts“. Der Salzgehalt in der Ostsee nimmt also stetig ab. In der Nähe der Nordsee ist er am größten. Weil dort das salzige Wasser in die Ostsee übertritt.

Aha, die Nordsee gibt also flüssiges Salziges in das Randmeer ab. Vorher hat die Ostsee allerdings die Nordsee „geärgert“. Durch die Flüsse und mit dem Regenwasser von oben wird die Ostsee mit der Zeit nämlich richtig voll. „Sie tritt also über“, sagt der 29-jährige Doktorand. Aber das überschüssige Wasser kann ja nicht einfach über eine Kante schwappen, sondern strömt in die Nordsee bei Ostwind. Und wenn der Wind dreht, kehrt überschüssiges Nordseewasser zu uns zurück. „Und treibt das Salz in die Ostsee.“

Ganz spannend finden die kleinen Zuhörer auch, als sie erfahren, warum sie in warmem Wasser schwimmen, aber in kaltem Wasser mit den Füßen stehen. „Heißes und warmes Wasser ist leichter und bleibt an der Oberfläche“, erklärt Lappe. Das Meerwasser ist an der Oberfläche von der Sonne erwärmt, sinkt aber nicht in die Tiefe ab. „Wenn ihr also schwimmt und euch an gleicher Stelle hinstellt, wird das Wasser unten immer kälter sein.“

Am Ende zieht sich Lappe Matschklamotten an. Wasserdichte Hose, Gummistiefel, Regenjacke, Helm. „Wir müssen den Salzgehalt mitten auf See testen“, sagt er. Allerdings beugt er sich nicht mit einer Schöpfkelle über die Bootsreling und holt sich einen Schwung Wasser hoch zur Untersuchung. Ein großes Gerät wird von einem Schiff ins Meer gelassen. An ihm befinden sich mehrere „Schöpfer“ (schmale Bottiche), in denen sich Wasser einschließen lässt.

(Text: Claudia Tupeit, Foto: Ove Ascholl)

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