Hoch hinaus mit den Weltall-Profis aus der Südstadt

Bei der Kinderuni gibt es morgen eine Raumfahrt-Show zur Internationalen Raumstation ISS / Auch in Rostock werden Planeten erforscht

Südstadt. Was machen eigentlich Planetenforscher? Steigen sie jeden Morgen in ihr Raumschiff und fliegen damit ins Weltall? „Nein, das nicht gerade“, sagt Mandy Bethkenhagen. Die 31-Jährige und der ein Jahr jüngere Manuel Schöttler sind Astrophysiker am Institut für Physik an der Universität Rostock. Obwohl sie Planeten erforschen, haben sie mit Raumanzug und Warp-Antrieb eher wenig zu tun. Sie sitzen oft vor dem Computer, lesen viele Bücher und tauschen sich mit anderen Astrophysikern auf der ganzen Welt aus. Mandy Bethkenhagen ist zum Beispiel gerade von einer Forschungsreise aus Kalifornien zurückgekehrt.

Seit der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Juni für ein halbes Jahr zur Internationalen Raumstation ISS flog, bekommen Raumfahrt und Weltall wieder viel Aufmerksamkeit. Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum hat rund um das Weltraum-Event ein Bühnenprogramm zusammengestellt, das am 26. September zu Gast ist bei der Kinderuni von Universität Rostock und OSTSEE-ZEITUNG – mit spannenden Experimenten, verblüffenden Erklärungen und einer aufgezeichneten Grußbotschaft von Alexander Gerst.

„Mit Alexander Gerst ist das Interesse an unserer Arbeit stark gestiegen“, meint Mandy Bethkenhagen, die ihre Doktorarbeit in Rostock geschrieben hat und nun auf einer Post-Doc-Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Weltall und seine Planeten erforscht. Ihr Büro im modernen Neubau auf dem Naturwissenschaften-Campus in der Südstadt ist vollgestellt mit Computern. Rechenleistung ist wichtig, sagt sie.

Wie sind Planeten aufgebaut, woraus bestehen sie? Das untersuchen die Rostocker Astrophysiker. Um das große Ganze zu verstehen, richten sie ihr Augenmerk auf die kleinsten Dinge, aus denen alles gemacht ist. „Wir schauen uns Moleküle und Atome an“, sagt Manuel Schöttler, der gerade seine Doktorarbeit am Institut schreibt.

Von den meisten Planeten ist nur bekannt, wie groß sie sind und wie viel sie wiegen, erklärt der Nachwuchsforscher. Aber er will natürlich mehr wissen. Welche Stoffe verbergen sich unter den Oberflächen von Uranus, Jupiter und Neptun, wie reagieren sie miteinander? Das ist wichtig, um eine der wohl spannendsten Frage zu beantworten, die es überhaupt gibt: Existiert Leben auf anderen Planeten unseres Sonnensystems? Und wenn ja, werden wir es finden und Kontakt aufnehmen können?

Mandy Bethkenhagen und Manuel Schöttler sind sich sicher, dass wir nicht die einzigen Lebewesen im Weltall sind. Winzige Einzeller könnte es auch in unserem Sonnensystem geben, so Bethkenhagen. Hinter dessen Grenzen haben Wissenschaftler mehrere Planeten identifiziert, die erdähnliche Bedingungen aufweisen. Das Problem ist allerdings, dass die ziemlich weit weg sind. Schon ein halbes Jahr dauert eine Reise bis zum Mars, dem Planeten, der der Erde am nächsten ist. Die 1977 gestartete Voyager-Sonde verlässt gerade die Grenzen unseres Sonnensystems. Um zu fernen Welten aufzubrechen, die Lichtjahre von uns entfernt sind, wäre Überlichtgeschwindigkeit nötig. „Aber das ist unmöglich“, meint Manuel Schöttler. Jedenfalls nach derzeitigem Stand. Aber wer weiß? Schließlich ist ja nichts für die Ewigkeit.

(Text: Gerald Kleine Wördemann, Foto: Ove Arscholl)

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