Iiiiiih oder Boah? Kinder­-Uni kommt Tintenfischen ganz nahe

Bei der letzten Vorlesung dieses Semesters hat Dr. Daniel Oesterwind den Tintenfisch mit 300 Kindern nicht nur gründlich durch-, sondern auch auseinandergenommen.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) „Iiiih“und „öööh“ schallt es durch den Hörsaal, als Dr. Daniel Oesterwind die Ehrengäste der gestrigen Kinder-Uni-Vorlesung in die Hand nimmt — zwei große glibschige Tintenfische. Zeit für eine wichtige Lektion: „Studenten rufen nie öööh, sondern: Boah, ist das interessant!“, erklärt der Biologe vom Institut für Ostseefischerei den 300 Kindern im Audimax. Schließlich geht es hier um die Forschung und die spannende Frage: Warum ist ein Tintenfisch kein Fisch?

Vor der Reise ins Innere entführt Oesterwind seine Zuhörer aber noch in die Geschichte. Ein zwölfjähriger Junge habe im 19. Jahrhundert den ersten wissenschaftlichen Nachweis für „die Meeresmonster“ erbracht, erzählt Oesterwind. „Als ein Fischerboot angegriffen wurde, konnte er dem Kalmar einen Arm abschneiden.“ Heute ist auch bekannt, dass die Größten ihrer Art soviel wie ein Schulbus wiegen und bis zu 18 Meter lang werden. „Eins, zwei, drei . . .“, schreitet Oesterwind mit langen Schritten den Hörsaal ab, wird allerdings von der Tür gestoppt, bevor das Ende des Riesen-Tintenfischs erreicht wäre.

Und es gibt noch mehr zu staunen: Auf der Leinwand verfolgen die Kinder gebannt, wie Tintenfische blitzschnell ihre Farbe wechseln, aus Kokosnüssen Verstecke am Meeresboden bauen und sich gegenseitig mit Lichtsignalen anfunken. „Das zeigt, wie intelligent diese Tiere sind“, sagt Daniel Oesterwind. Jede Menge Tinte haben sie außerdem dabei — daher auch der Name. Natürlich aber nicht in Form von Schulfüllern, wie auf der Leinwand.

„Wir müssen sie aufschneiden“, beschließt Oesterwind mit Blick auf die zwei mitgebrachten Tintenfische. Seine Assistentinnen Anastasia (7) und Patricia (8) verlässt da kurzfristig doch der Mut.

Justin (13) traut sich, die Schere zu führen. Und Oesterwind zeigt auf der Leinwand Tintenbeutel, Magen, Gehirn und alle drei Herzen. Jetzt ist auch genau zu sehen, dass der Tintenfisch keine Knochen hat — „also zu den Weichtieren gehört und mit Muscheln und Schnecken verwandt ist“, erklärt Oesterwind. Und übertönt jedes „Ööh“, das den Nachwuchsstudenten noch rausrutscht, mit einem fröhlich-lauten: „Boah — ist das interessant!“

„Das war ein bisschen eklig“
Luisa Rath hat als Kinderreporterin die gestrige Vorlesung besonders aufmerksam verfolgt. Die Siebenjährige geht in die zweite Klasse der John-Brinckman-Grundschule und möchte später Lehrerin werden. „Auch für Biologie“ fügt sie hinzu. Die Reise ins Innere des Tintenfischs hat sie davon nicht abgebracht. Für ihre Schüler würde sie später, wenn es sein muss, sogar selber Tiere aufschneiden. Auch wenn die gestrigen Einblicke doch „ein bisschen eklig“ gewesen seien, gibt sie zu. Dass Luisas folgender Bericht von der Kinder-Uni zum Ende hin sehr knapp ist, liegt also aber wohl eher daran, dass vor lauter Staunen nicht allzu viel Zeit zum Schreiben blieb:

„Thema: Warum ist der Tintenfisch kein Fisch? Tintenfische sind bekannt als Meeresmonster. 18 Meter kann ein Riesenkalmar werden. Er hat andere Augen als ein Fisch und kann sich verfärben mit Leuchtstellen. Er hat Saugnäpfe und lebt am Sand. Tintenfische sind Weichtiere. Sie leben auch in der Nordsee. Der Mann und drei Kinder schneiden Tintenfische auf. Sie haben drei Herzen und werden zwei Jahre alt.“

(Text: Anne Kobarg)

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