Kampf auf dem antiken Schachbrett

Bildhauer Wolfgang Friedrich ist Dozent bei Kinder-Uni

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Manchmal ist der erste Entwurf einer Figur so lang wie der Unterarm eines Erwachsenen. Stück für Stück wächst sie – und ist plötzlich viel höher als die meisten Menschen. So war es bei der männlichen Gewandfigur, die vor dem Nordportal der Petrikirche auf einem Sockel 2,20 Meter groß in den Himmel ragt. Ihr Schöpfer, Bildhauer Wolfgang Friedrich, erklärt am Mittwoch bei der ersten Kinder-Uni im neuen Semester, wie so ein Koloss entsteht.

„Ich werde alles anschaulich machen, eine Kamera bringt alles auf die Leinwand, es soll nicht kompliziert sein, die Kinder sollen es ja verstehen“, verspricht der 68-Jährige. Modelle drapiert er auf einem Tisch. Die dürfen nach der Vorlesung vorsichtig befühlt werden. Anhand von Figuren, Formen und Zustandsmaterialien möchte Friedrich den Kindern die Schritte seiner Kunst näher bringen, zu denen auch der Bronzeguss gehört.

Bevor kleine und große Figuren im Ofen backen, müssen sie erst mal geformt werden. Wie bei einem Kuchen, nur dass der „Teig“ von Wolfgang Friedrich Gips ist. Mit Werkzeugen modelliert er am Entwurf, dann muss die Form aus Gips und Silikonkautschuk hergestellt werden. „Da kommt flüssiges Wachs rein“, sagt er. Es entstehe etwas, das so ähnlich wie ein Schokohohlkörper sei. Manche Figuren müssen bei 600 Grad Celsius eine Woche im Ofen ausharren. Warum am Ende besondere Vorsicht geboren ist (Explosionsgefahr!) erklärt der 1978 nach Rostock gezogene Künstler bei der Kinder-Uni. Und während er erklärt, wird es im Hintergrund beim Schachspiel sportlich. Auch aus dem Publikum dürfen Kenner mitmachen. Brett und Figuren sind natürlich aus seinem Guss – passend zu Friedrichs Leidenschaft für die Antike kämpfen Griechen gegen Perser.

Laut wird es dann nach der Vorlesung draußen: Die Johanniter holen die Hubschrauber-Landung nach, die beim Sommerfest nicht stattfinden konnte.


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Die Antike hat es ihm angetan: Bildhauer Wolfgang Friedrich spricht bei der Kinder-Uni über seine Arbeit. (Foto: Claudia Tupeit)




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