Kinder-Uni: Eine Reise in die Kunst

Kornelia Röder vom Staatlichen Museum Schwerin lüftet bei der Kinder-Uni das Geheimnis eines Bildes

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Die Hände der Kinder schnellen nur so in die Luft, als die Kunsthistorikerin fragt, wer von den Nachwuchsstudenten im Hörsaal gerne malt. „Dann wird es heute für uns bestimmt eine spannende Reise“, sagt Kornelia Röder, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatlichen Museum Schwerin. Röder führte gestern bei der Kinder-Uni, einer Aktion der OSTSEE–ZEITUNG und Universität Rostock, mit Gemälden, interessanten Werkzeugen und Bildern, die das Auge täuschen, durch eine spannende Reise ins Museum. Bei der Kinder-Uni war das Thema der dritten Vorlesung im Wintersemester „Wenn Farben und Linien miteinander sprechen - das Geheimnis eines Bildes“.

Die Kinder lernen zuerst die zwei Freunde „Lineata“ und „Klecksi“ kennen – die Linien und Farben eines Bildes. Beide müssen feststellen, dass ihre Welt alleine entweder zu farblos oder konturlos sind. Ohne einander wollen und können sie also eigentlich nicht.

Lineata stellt sich den Kindern jedoch erst einmal ohne ihre Freundin in all ihren Facetten vor. Die Kinder staunen, was man alles aus einer einfachen Linie „zaubern“ kann. Besonders beeindruckend ist das Selbstbildnis des 13-jährigen Albrecht Dürer. „In der Zeit, als es noch keine Fotoapparate gab, haben die Künstler versucht, so zu zeichnen, dass ihre Bilder so echt aussehen, wie heute unsere Fotografien“, erklärt die Kunsthistorikerin. Aber Lineatas Freundin Klecksi langweilt sich und möchte sofort in die bunte und farbige Welt mit den Kindern. Ein paar von den kleinen Nachwuchs-Wissenschaftlern dürfen nach vorn kommen und erklären, was passiert, wenn Farben sich mischen. Denn Klecksi gibt es nicht nur in den Hauptfarben Rot, Gelb und Blau. Wenn zum Beispiel Rot und Gelb sich mischen, entsteht daraus ein neuer Ton: Orange. Etwas Neues ist für die Kinder auch das „Trompe-l‘oeil“ (Augentäuschung) von Edwaert Collier, ein Steckbrett, an dem unterschiedliche Gegenstände befestigt sind und das auf den ersten Blick räumlich wirkt.

Bei der virtuellen Reise in das Staatliche Museum Schwerin werden mithilfe von Fotos die Räume des Museums und eines seiner bekanntesten Stücke gezeigt, so auch die Nashorndame „Clara“ von Jean-Baptiste Oudry. Am Ende der Vorlesung dürfen die Kinder selbst ihr künstlerisches Talent unter Beweis stellen. Sie sollen sich vom Komponisten Sven Daigger beim Malen inspirieren lassen und auf Papier bringen, was ihnen bei der Musik durch den Kopf geht. Vom Löwen bis zur Darstellung von Klecksi und Lineate hatten die Kinder viele Ideen. Wer wollte, konnte sein Bild abgeben, die Kunstwerke der kleinen Studenten sollen noch ausgestellt werden.

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Kornelia Röder und die achtjährige Ava zählen, wie viele Quadrate und Dreiecke Picasso in seinem Bild verwendet hat. (Foto: Ove Arscholl)


75. Vorlesung: Die Kinder-Uni feiert Jubiläum

75 Mal Kinder-Uni: Seit 2005 bieten die Universität Rostock und die OSTSEE-ZEITUNG Vorlesungen an, die extra auf Kinder zugeschnitten sind. Gestern war Jubiläum. Organisatorin Wiebke Loseries stellte den Kindern auf humorvolle Weise alle Mitarbeiter vor, die hinter dem Projekt stehen. Jeder bekam ein kleines Dankeschön. Die Arbeit begeistert Loseries immer wieder, weil man nie wisse, wie die Kleinen reagieren. „Kinder sind ein spontanes Publikum. Man kann vor einer Vorlesung nie sagen, ob ihnen das Thema gefällt.“

Für die Organisatorin und ihr Team ist es also immer wieder eine Herausforderung, für 400, 500 Kinder ein interessantes und buntes Programm zu gestalten. Die Vorlesungen hätten mit der Zeit eine ganze eigene Dynamik angenommen, so Loseries. Für sie sind die vier Veranstaltungen pro Semester „immer wieder ein Highlight“. Besonders freut sie sich, dass mittlerweile auch einige Hortgruppen der Hansestadt die Kinder-Uni besuchen und so immer wieder ein neues Publikum aus zukünftigen Studenten entsteht.


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Die Organisatorin der Kinder-Uni, Wiebke Loseries (vorne), stellt den Kindern vor, wer alles die Veranstaltung mitgestaltet und organisiert. (Foto: Ove Arscholl)




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