Kinder-Uni: Kulturgenuss zum Schluss

Das Beste zum Feste: Bei der letzten Vorlesung im Jahr haben rund 300 Gäste alles über den Opernchor erfahren

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Mit einer kniffligen Frage hat gestern Nachmittag die letzte Kinder-Uni in diesem Semester begonnen. Joseph Feigl, Leiter des Opernchors, will von seinen Mini-Studenten wissen: „Worüber kann man sich freuen?“ Hmmm, die Kinder überlegen. Zögerlich ruft einer, dass er sich „über Geschenke“ freuen kann. Warum der Dirigent ausgerechnet so eine Frage stellt? Weil seine sehr musikalische Vorlesung ganz im Zeichen der Freude steht.

Zunächst eröffnet ein Herrenquartett die Veranstaltung. Die vier Sänger singen über die Liebe. „Und über Frauen“, ruft ein Junge. Ja, richtig, meint Dirigent Feigl und fragt: „Wer liebt euch?“ Mama und Papa, das fällt den meisten Knirpsen als Erstes ein. „Und Charlie“, sagt ein Mädchen. Wer das ist, will Feigl wissen. „Mein Freund“, sagt die Kleine ganz schüchtern.

Nach einem weiteren Musikstück – nun vom gesamten Opernchor, immerhin 26 Männer und Frauen – stellen viele Steppkes fest, dass sie gar nicht viel vom Text verstehen. „Die singen nämlich so laut“, stellt der sieben Jahre alte Gustav fest. Gut, dass der Opernchorchef bei einem sehr bekannten Lied vorher den Inhalt mit allen rund 300 kleinen und großen Gästen durchgeht. Natürlich ist die Rede von einem Lied, bei dem schon am Anfang das Wort „Freude“ steht. „Freude schöner Götterfunken“, komponiert von Ludwig van Beethoven für seine 9. Sinfonie. Die erste Zeile heiße so viel wie „Freude ist ein schöner Götterfunken“. Damals hätten Dichter die Verben oft weggelassen, erklärt Feigl. Die zweite Zeile ist aber noch unverständlicher für die Lütten. „Tochter aus Elysium“. Ely... was? Die Kinder gucken sich fragend an. Elysium stehe für Paradies. Also „Tochter aus dem Paradies“. Aha. Dann kann’s ja losgehen mit dem gemeinsamen Singen. Statt 26 dirigiert Joseph Feigl nun 300 Sänger.

Wer Beethoven oder andere Lieder professionell singen möchte, sollte am besten in einem Chor Mitglied werden, empfiehlt Feigl. Gut sei auch, wenn man ein Instrument spielen könne. Und – Achtung – wer studieren und Opernsänger werden will, muss nicht nur Italienisch und Französisch an der Hochschule lernen, sondern auch Fechten. „Weil das auf der Bühne oft verlangt wird“, erklärt Feigl und stimmt dann ein sizilianisches Volkslied an. Und tada, alle können es gleich mitsingen. Der Weihnachtstitel „O du fröhliche“ stammt im Original tatsächlich von der italienischen Insel.

Apropos Freude: Die wird Mattis (9) dank der Tombola mit seinem gewonnenen Buchgutschein haben: „Ich werde mir etwas Comicartiges dafür holen.“

(Text: Claudia Tupeit, Fotos: Ove Ascholl)

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