Kinder-Uni Rostock: Fressen und gefressen werden

Robert Sommer vom Zoologischen Institut erzählt Mini-Studenten, wie sich Tiere ernähren

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Warum hat der Wolf das Schaf zum Fressen gern – und wovon ernährt sich eigentlich das Huhn, wenn es keine Insekten mehr gibt? Mehr als 500 kleine Studenten füllten am Mittwoch die Sitzreihen des Audimax’ auf dem Ulmencampus, um sich diese und andere Fragen beantworten zu lassen.

Bereits zum zweiten Mal fand die gemeinsame Veranstaltung der Uni Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG in diesem Semester statt. Robert Sommer stand dieses Mal vorn an der Tafel. Er ist Tierökologe am Zoologischen Institut der Universität und erzählte den Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren alles zum Thema „Wie ernähren sich Tiere?“.

Dass es im Tierreich ganz verschiedene Nahrungsbeziehungen gibt, zeigte Sommer anhand einer Grafik. Vom kleinen Krebs über die Ente bis zum Hecht und dem Seeadler sind alle Tiere miteinander verbunden. „Der Hecht frisst nicht nur den kleineren Fisch, sondern viele verschiedene Tiere“, erklärt der Ökologe. „Das sieht ja aus wie ein Netz“, ruft einer der Mini-Studenten. „Genau, das ist ein Nahrungsnetz“, erklärt Sommer.

Wenn ein Tier im Nahrungssystem fehle, gerate die Natur aus dem Gleichgewicht. Deshalb gibt es Tierökologen, die sich für eine große Artenvielfalt einsetzen, so der Dozent. Als im Saal die Lichter ausgehen, sind alle überrascht. „Jetzt erzähle ich euch etwas über die Fledermaus“, sagt Sommer und die kleinen Studenten beginnen zu jubeln. Ein Zeitlupen-Video zeigt, wie eine Fledermaus ein Insekt auf der Wasseroberfläche fängt. Dass die nachtaktiven Tiere nicht nur in Höhlen nach Beute jagen, wussten viele der Kinder noch nicht.

Dabei ist es für Tierökologen nicht immer angenehm zu erforschen, was Tiere fressen. Sommer zeigt den Nachwuchs-Studenten Fotos, auf denen winzige, braune Würstchen zu sehen sind – der Kot der Fledermaus. Ein Lachen geht durch die Reihen. „Wir finden in den Proben kleine Teilchen von Wasserwanzen, Mücken, Spinnen und Blattläusen“, erzählt Sommer über seine Arbeit.

Auf die Frage, was der Wolf am liebsten frisst, kommt die Antwort der Kinder prompt: „Schafe!“ In Wahrheit bevorzugen die Jäger in der freien Natur aber Wildschweine, Rehe und Rotwild. Dann bittet Sommer die Mini-Studentinnen Jasmin und Matilda nach vorn. Auf einem Foto sieht man ein Bison mit seinem Kalb, das von einem Wolfsrudel umzingelt wird. Wölfe jagen im Rudel und wählen immer die Schwächeren des Nahrungssystems, erklärt der Tierökologe. „Ist der Wolf deswegen böse?“, fragt er das Publikum. „Tiere müssen fressen, genau wie Menschen – das macht sie nicht böse“, antwortet die 9-jährige Matilda – und bekommt dafür Applaus.

Nicht nur mit Videos und Bildern, auch mit Tierschädeln zeigt der Dozent, wie sich Tiere ernähren. Matilda zählt 20 Zähne im Unterkiefer eines Braunbärs, darunter große Eckzähne und flache Backenzähne. Die Bären brauchen so ein starkes Gebiss, weil sie es neben Honig auch auf größere Tiere abgesehen haben, erklärt Sommer. „Außerdem fressen Bären Beeren und Raupen.“

Das letzte Tier, das der Dozent an diesem Tag vorstellt, ist das Rebhuhn. Vom Seeotter bis zum Wolf hat er von jedem Tier ein Präparat mitgebracht. Der Einsatz von Gift im Ackerbau sorge dafür, dass es nur noch wenige Insekten und Kräuter in der Natur gebe, so Sommer. Diese seien jedoch die Nahrung von besonders jungen Rebhühnern, die aktuell nur noch selten in der Natur vorkämen. „Das zu ändern, wird in Zukunft eure Aufgabe sein“, sagt der Ökologe und schließt die Vorlesung.

(Text: Sophie Martin, Fotos: Ove Arscholl)

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