Kinder-Uni: Völlig aus dem (Hoch-)Häuschen

Architekt Claus Sesselmann erklärt Mittwoch, wie viel Natur im Hochhaus steckt und warum sie immer seltener werden

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die Sonne scheint durch das gläserne Architekten-Büro am Doberaner Platz. Zwischen Zeichnungen, Büchern, Mappen und Monitoren sitzt Claus Sesselmann mit seinem Team von „matrix architektur“. Eigentlich planen die Architekten hier Kindergärten, Schulen, energieeffiziente Gebäude, vielfältige Projekte. Momentan aber beschäftigt Sesselmann vor allem eine Frage: Was haben ein Hochhaus und ein Getreidehalm gemeinsam? Bei der nächsten Kinder-Uni dreht sich alles um kleine Menschen und große Häuser.

Seit vielen Jahren betreut und begleitet Wiebke Loseries von der Universität Rostock das Projekt gemeinsam mit der OSTSEE-ZEITUNG. „Wir haben eine kleine Wunschbox für Fragen und Themen der Kinder aufgestellt“, erklärt Loseries. Und Fragen gäbe es bei den Kleinen immer genug. „Wie hoch kann ein Hochhaus sein?“, schien die Nachwuchs-Studenten besonders zu interessieren und Loseries spannte einen Draht zum Rostocker Architekten-Team „matrix“. „Wir wollen spannende Themen aufgreifen, aber auch Berufsbilder vorstellen. So ein freundlicher und wissender Architekt wie Herr Sesselmann ist da genau richtig“, meint die Mitarbeiterin der Universität.

In seiner interaktiven Vorlesung geht es dem 49-jährigen Architekten nicht nur um Definitionen und Fachwissen. Sesselmann sucht vor allem anschauliche Bezüge und findet sie in der Natur. „Wir können uns von einem Getreidehalm und der Natur, die uns umgibt, viel abschauen“, sagt der Architekt. Auf die brennenden Fragen, wie hoch ein Hochhaus sein darf und wann es überhaupt eines ist, hat sich Sesselmann natürlich auch schon vorbereitet. Und um den Blick für das eigene Umfeld weiter zu schärfen, dürfen Eltern und Kinder mitraten, wenn es um die Wolkenkratzer in Rostock und der Umgebung geht. „Nicht nur Skylines in New York und Frankfurt sind Hochhäuser“, sagt Sesselmann mit einem Lächeln.

Nach der theoretischen Einführung wird der Fachmann zeigen, wie stabil so ein Haus sein muss. Dazu werden Holzklötzer und Becher versetzt, gestapelt und verschoben. Welche Bauweise zuerst nachgibt, können die kleinen Studenten am kommenden Mittwoch selbst sehen. Außerdem wird die nächste Kinder-Uni zeigen, was nicht nur Grashalme, sondern auch Palmen mit dem Hochhaus gemeinsam haben.

„Ich bin gespannt auf die Fragen der Kinder“, freut sich Sesselmann auf die Veranstaltung. Doch zum Lernen gehöre auch immer ein kritischer Blickwinkel: „Ein Hochhaus verringert den Kontakt der Menschen untereinander. Manchmal werden im 20. Geschoss sogar sehr aufwendig Gärten installiert. Man muss sich immer fragen, wozu man ein Hochhaus braucht und für wen es sein soll“, so der Experte. In den letzten Jahren habe der Bau von Hochhäusern stark abgenommen. Sesselmann werde auch auf die ökonomische und soziale Bedeutung eines solchen Bauwerks eingehen.

Wie viel Natur schließlich im Hochhaus steckt und was es noch braucht, um ein Hochhaus zu bauen, zeigt sich am Mittwoch, 18. Oktober im Hörsaal der Universität.

(Text & Foto: Lea-Marie Kenzler)

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