Kinder-Uni: Volles Haus bei Robben

Gestern Nachmittag wollten etwa 400 Besucher wissen, warum die Meeressäuger so große Augen haben

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Der kleine Fiete ist seit gestern um einiges schlauer. Der Sechsjährige weiß nun alles über Robben. Na ja, fast natürlich nur. „Zum Beispiel, dass sie Flundern fressen. Und nicht alle haben richtige Ohren. Außerdem weiß ich jetzt, warum Robben so große Augen haben.“ Und genau dieser Frage ist Frederike Hanke von der Robbenstation in Hohe Düne gestern bei der Kinder-Uni von OSTSEE-ZEITUNG und Uni hauptsächlich nachgegangen.

Im vollen Hörsaal lauschten, staunten und kreischten etwa 400 Zuhörer der Biologin. Kreischten? Ja! Aber nicht bei den niedlichen Robben-Bildern, die die Wissenschaftlerin den Kindern zeigt, sondern beim Anblick einer ekligen Spinne, die gleich acht Augen hat. Hanke zeigt das Tier als Beispiel für jene Exemplare, die wie Robben vergleichsweise große Augen besitzen.

Dann erklärt sie, dass Robben ihre Kulleraugen haben, um in der Tiefe gut sehen zu können. „Robben tauchen manchmal tief ins Meer hinab, um zum Beispiel einen Fisch als Nahrung zu jagen“, erklärt die Forscherin den kleinen und großen Zuhörern. Und da kommt die Pupille ins Spiel, „die wir Menschen ja auch in unseren Augen haben“. Durch die Pupille fällt Licht ins Auge. Wenn es viel Licht gibt, wie zum Beispiel am Tag, wenn die Sonne scheint, macht sich die Pupille klein, „damit wir nicht so sehr geblendet werden“, sagt Hanke. Aber in der Nacht, wenn höchstens Mond und Sterne leuchten, dann macht sich die Pupille sehr groß, damit wir überhaupt noch etwas sehen können. „Robben sind oft im Dunkeln, weil es in der Tiefe des Meeres wenig Licht gibt. Durch die großen Augen kann sich die Pupille auch richtig schön öffnen, und sie können gut sehen“, erzählt Hanke und beantwortet damit die Hauptfrage der Vorlesung.

Kinder wie Fiete haben gestern zudem gelernt, dass manche Robben anstelle von „richtigen“ Ohren nur Löcher haben und andere wiederum besitzen Ohrmuscheln. Dabei unterscheidet die Expertin Frederike Hanke die Hundsrobben, also Seehunde, die ohne Ohrmuschel auskommen. Und – passenderweise – heißt das Pendant dazu Ohrenrobbe, also jene Meeressäugetiere, die sichtbare Ohren haben.

Wenn ein Seehund zum Beispiel im tiefen Wasser auf Jagd geht, weil er hungrig ist, dann greift er sich am liebsten Flundern. Die schmecken ihm am besten und die kann er eben deshalb gut entdecken, weil er so schöne große Augen hat. In Hohe Düne versorgt Frederike Hanke in der Robbenstation derzeit zwölf Robben – neun Seehunde, zwei Seelöwen und einen südafrikanischen Seebären. Die vertilgen gern atlantischen und baltischen Hering, aber auch Lotten, also Weißfisch. „Und alles, was durchs Netz durchpasst, fressen unsere Robben natürlich auch.“

Aber wieso ein Netz mitten im Wasser? Die Robben leben in Hohe Düne sozusagen in Gefangenschaft, weil Forscher wie Frederike Hanke ihre Sinnessysteme untersuchen. Und da sie nicht einfach so täglich um acht Uhr zum Training ankommen würden, müssen sie in einem geschützten Raum leben – und das ist in diesem Fall das Netz. Von einer Plattform aus begrüßt, spielt und trainiert Hanke ihre Robben, wie „Sam“ und „Moe“, jeden Tag. Manchmal steigt sie sogar zu ihnen ins Wasser, schwimmt und tollt mit ihnen. „Auch ganz normale Besucher, die gut schwimmen können, dürfen sich bei uns anmelden und dann mit den Robben schwimmen oder tauchen“, erzählt sie.

Die sieben Jahre alte Anna hat sogar schon mal echte Robben in Hohe Düne gesehen. „Und jetzt weiß ich auch, warum sie so große Augen haben“, sagt die Rostockerin stolz. Fiete hat bereits die Robben im Zoo besucht und durfte sie sogar mit Heringen füttern. „Das war toll“, sagt er.

Max (8) verlässt – wie die anderen Kinder auch – den Hörsaal mit zufriedenem Gesicht. Was er alles erfahren hat über die Robben, „die sich so schön im Wasser bewegen können“...

(Text & Fotos: Claudia Tupeit)

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