Kinder-Uni: Vom Fressen und gefressen werden

Robert Sommer vom Zoologischen Institut der Uni Rostock wird am 24. Oktober über das Nahrungssystem der Tiere sprechen

Hansaviertel. Wie ernähren sich eigentlich die Tiere? Und warum ist es ein Nahrungssystem und nicht nur eine Nahrungskette? Diese und andere Fragen will Robert Sommer in der nächsten Vorlesung der Kinder-Uni Rostock klären. Am 24. Oktober findet die gemeinsame Veranstaltung der Uni Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG wieder um 15 Uhr am Ulmencampus statt. Dann können wieder bis zu 500 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren der Vorlesung im Audimax lauschen.

Doch worum geht es genau? „Menschen müssen essen und Tiere eben auch“, erklärt Robert Sommer. Er ist Tierökologe am Zoologischen Institut der Uni Rostock. Deswegen kennt er sich mit den Ernährungsformen der Tiere auch genau aus. „Im Tierreich gibt es ganz viele verschiedene Nahrungsbeziehungen. Deswegen ist es auch ein Nahrungsnetz und keine Nahrungskette“, erklärt Sommer. Er will in der kommenden Woche zeigen, welche Tiere an welcher Stelle in diesem Netz stehen.

Er gibt ein Beispiel. „Das Rebhuhn ist mittlerweile ein ganz seltenes Tier.“ Das liege auch daran, dass es sich von Kräutern und Käfern ernähre. Denn diese sind durch unsere Agrarwirtschaft selten geworden. Also ist auch die Anzahl der Rebhühner geschwunden, weil ihnen so die Nahrungsgrundlage fehlt. Er erklärt in einem weiteren Beispiel, dass dank der Ernährung der Wölfe der Wald stärker wächst. „Dort, wo der Wolf auftaucht, trauen sich seine Beutetiere, zum Beispiel Rehe, nicht mehr hin. Sie können dort nicht die Pflanzen fressen und der Wald wird dichter.“ Dort würde dann auch die Population der Schmetterlinge anwachsen. „Es sind ganz komplexe Wechselwirkungen.“ Er selbst finde diese Zusammenhänge faszinierend.

Um das auch den Kindern auf interessante Weise zu erklären, hat sich der Tierökologe einiges vorgenommen. Aus der zoologischen Sammlung bringt er dafür nicht nur wunderschöne Tierfotos und einen Film mit, er hat sogar eigens ein paar Tierpräparate dabei. Im Gepäck hat er unter anderem einen Waldkauz und einen Seeadler. Sogar einen Wolf will er den Kindern zeigen. Anhand zweier Tierschädel will er erklären, was und wie die Tiere fressen. „Ganz nach dem Motto: Zeig mir Deine Zähne und ich sag Dir, was Du frisst.“ Denn die Zähne eines Luchses seien ganz anders als die eines Kodiakbären. Den Unterschied will er dann jedoch erst in seiner Vorlesung genau erklären. Auch von einem dunklen Überraschungsmoment spricht er.

Seit drei Jahren ist Robert Sommer Privatdozent am Zoologischen Institut in Rostock. Die Uni kennt er gut, hier hat der 44-Jährige auch studiert und nach seiner Promotion gearbeitet. Später zog es ihn nach Kiel und Dresden. Dort hat er auch Erfahrungen in der Lehre von Kindern gesammelt. „Ich war zwei Jahre Volontär im Museum für Tierfreunde in Dresden“, erklärt Sommer. Dort hat er Kinder jedes Alters durch die Sammlung geführt und hat gemerkt, wie man die Aufmerksamkeit beibehält. „Wie lange die Kinder aufpassen, hängt ganz davon ab, wie interessant mein Vortrag ist.“ Das sei jedoch immer eine Herausforderung. „Gerade heutzutage muss ich interessanter sein, als alle Ablenkungen.“ Doch er ist sich sicher, dass der Funke überspringt. „Mit dem Thema kann man die Kinder begeistern.“

(Text & Foto: Johanna Hergermann)

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