Kinder-Uni: Was ist gerecht?

Am kommenden Mittwoch wird mit den kleinen Studenten philosophiert.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Was ist eigentlich gerecht? Und wie wird etwas fair verteilt? Das sind Fragen, die Christian Klager vom Institut für Philosophie in der nächsten Kinder-Uni beantworten will. Die gemeinsame Veranstaltung von der OSTSEE-ZEITUNG und der Uni Rostock wird sich am Mittwoch, 23. Mai, mit dem Thema der gerechten Verteilung beschäftigen.

„Das Thema ist wieder ein Wunschthema der Kinder“, erklärt Klager. Für den Fachstudienberater ist es nicht die erste Vorlesung mit kleinen Zuhörern. „Ich habe hier vor einigen Jahren darüber geredet, was gut und was böse ist“, sagt er. Für ihn war die damalige Veranstaltung eine spannende Erfahrung. „Es hat Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten.“

Gerade der Fachbereich Philosophie sei ideal für die Kleinen. „Man sieht sofort, was sie denken.“ Dieses Fach würde Kinder an andere Fragestellungen und an ein kritisches Denken gewöhnen. „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es das Fach schon ab der ersten Klasse.“ Das sei eine wahre Seltenheit. Seiner Meinung nach sollten alle Kinder solch einen Unterricht bekommen. „Philosophie ist ein unvoreingenommenes Fach. Hier lernen Schüler, frei zu denken“, erklärt der 36-Jährige. „Und sie sollen lernen, auch Erwachsene infrage zu stellen.“

So könnten Kinder mit Hilfe der Philosophie lernen, mündige Menschen zu werden. „Und dazu gehört auch Gerechtigkeit.“ Sich fair zu verhalten, sei ein moralisches Gut, eine Tugend. „Wir versuchen schon seit mehreren tausend Jahren, gerecht zu sein.“ Schon vor 2500 Jahren habe man in der Philosophie darüber diskutiert. Ob im Alltag, in der Politik oder in der gesamten Gesellschaft: Überall gehe es um Gerechtigkeit.

Die Vorlesung am Mittwoch soll wie ein Philosophie-Unterricht gestaltet werden. „Wir geben den Schluss nicht vor“, sagt Klager. Die kleinen Studenten müssten erst das Problem verstehen, um dann gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Denn die Frage, wie etwas gerecht verteilt wird, sei gar nicht so einfach zu beantworten. „Alles einfach an alle gleich zu verteilen, könnte ein Trugschluss sein“, gibt er einen Tipp. Um das den Kindern bildlich begreifbar zu machen, soll es ein kleines Rollenspiel geben. Mit Hilfe einer großen Kuchen-Attrappe soll eine gerechte Verteilung simuliert werden. Auch für seine größeren Studenten sei die Kinder-Uni wichtig. Denn Klager gestaltet seine Vorlesung mit angehenden Grundschul-Lehrern. „Wir setzen in der Uni auf einen großen Praxisbezug“, betont er. Lehramts-Studenten sollten laut dem Pädagogen von Anfang an Kontakt mit Kindern bekommen. So könnten sie früh erkennen, ob es der richtige Beruf für sie ist. „Und sie können herausfinden, wie Sechs- bis Zehnjährige denken.“ Das komme auch den Schülern zugute. „Für gewöhnlich werden Grundschüler unterfordert.“ Es bringe alle weiter, wenn die Studenten die Kinder kennenlernen und nicht nur Theorien. „Deswegen finde ich das Konzept der Kinder-Uni so spannend.“

(Text: Johanna Hegermann, Foto: Ove Arscholl)

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