Kinder-Uni: Was passiert beim Sterben?

Carl Friedrich Classen von der Unimedizin Rostock erklärt am Mittwoch den Tod aus medizinischer Sicht

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Warum muss der Mensch sterben? Oder gibt es vielleicht doch einen Zaubertrick, dem Tod zu entrinnen? Eine Antwort auf diese Fragen gibt am Mittwoch ein Experiment bei der Kinder-UniVorlesung im Audimax am Ulmencampus. Die Moderatoren Madlen Grolle-Döhring und Doktor Lea Puchert vom Institut für allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik nehmen die Nachwuchsforscher mit auf eine Entdeckungsreise zu den Themen Leben, Sterben und Tod.

Was beim Sterben aus medizinischer Sicht passiert, erklärt Professor Carl Friedrich Classen, Kinderonkologe der Unimedizin Rostock. Er hilft schwer kranken Kindern, wieder gesund zu werden. Inzwischen seien die meisten bösartigen Erkrankungen heilbar – allerdings meist durch eine langwierige, eingreifende und komplizierte Therapie. Bis zu den 1960er Jahren seien alle Krebserkrankungen noch tödlich gewesen, sagt Classen. „Seit den 1970er Jahren hat es dann große Fortschritte gegeben.“ Inzwischen könne zum Beispiel Leukämie zu 80 Prozent der Fälle geheilt werden.

Ein Zaubermittel, um unsterblich zu sein, gebe es jedoch noch immer nicht. Classen betont: „Das Leben ist nichts Selbstverständliches, sondern etwas ganz Erstaunliches.“ Das Sterben sei dabei ein körperlicher Vorgang. Nach dem Tod komme es zu einer Leichenstarre. „Und der Körper fängt nach einigen Tagen an zu stinken“, sagt Classen.

Anders als viele glauben, sei der Tod oft keine furchtbare Qual und unerträglich. „Glücklicherweise ist es so, dass der Tod für die meisten Menschen ein Hinübergehen ist. Gerade wenn wir mit medizinischen Mitteln Schmerzen verhindern können oder auch Atemnot“, sagt Classen. Der Tod sei dann vielmehr der Abschluss des Lebens.

In der Gesellschaft sei das Sterben eher ein Tabuthema, mit dem ganz viele Ängste verbunden seien, so die Beobachtung des Mediziners. „Wir wollen das Thema bei der Vorlesung nun nicht verharmlosen oder verniedlichen. Der Tod ist schrecklich. Aber darüber nicht zu sprechen, hilft auch niemandem. Im Gegenteil. Sprechen ist ganz wichtig“, betont Classen. Gerade Worte wie Sterben und Tod werden gemieden. „Häufig wird gesagt, dass zum Beispiel die Großmutter für immer eingeschlafen oder entschlafen ist. Doch das ist für die Kinder verwirrend.“ Sie hätten dann mitunter selbst Angst, einzuschlafen. „Weil die Kinder befürchten, sie wachen vielleicht auch nicht mehr auf.“

Bei der Vorlesung wollen der Mediziner und die Moderatoren mit den Kindern überlegen, was Lebenszeichen sind. „Woran wir also merken, dass wir leben“, sagt Madlen Grolle-Döhring. Anschließend berichtet Expertin Rebecca Hoch, warum das Abschiednehmen für die Trauerbewältigung wichtig ist. Es soll trotz des schweren Themas insgesamt sehr kreativ, kindgerecht und spielerisch zugehen.

„Am Ende der Vorlesung stehen auch wieder das Leben und die Liebe zum Leben im Mittelpunkt“, verspricht Lea Puchert. Sie und ihre Kollegin Madlen Grolle-Döhring sind überzeugt: „Durch die Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer lernen Menschen, das Leben zu schätzen.“

Nach den Erfahrungen der Moderatoren seien Kinder sehr an diesen Themen interessiert und hätten viele Fragen. „Wir möchten ihnen den Raum geben, diese Fragen und Gedanken ohne Angst auszusprechen.“ Manchmal könne es dabei vorkommen, dass auch die Moderatoren der Veranstaltung nicht auf jede Frage sofort eine Antwort parat haben. „Wenn wir die Kinder dann aber einladen, gemeinsam über die Antwort nachzudenken, machen sie eine wichtige Erfahrung: Fragen werden besprochen, Sprachlosigkeit wird verhindert“, so Lea Puchert.

(Text & Foto: André Wornowski)

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