Kinder-Uni: Zwischen Kehlkopf und Zwerchfell

Gut 400 kleine und große Besucher haben viel über die Stimme erfahren

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Wenn Papa sich über den Sieg seiner Fußballmannschaft freut, erkennen seine Kinder das auch an der Stimme. Wenn die Lütten den Gegner lieber mögen, ist das für den Papa genauso zu hören – weil die Knirpse wütend oder traurig klingen. Wie viel die Stimme über uns aussagt, ist gestern Nachmittag auch Thema von Sprecherzieherin Marit Fiedler bei der Kinder-Uni von OZ und Universität gewesen.

Und die gut 400 kleinen und großen Besucher sind vor dem Fußballbeispiel sofort von der Vorlesung begeistert: Fiedler startet nämlich mit dem Video eines Mundakrobaten. „Das klingt bei ihm zwar alles, als ob er Instrumente einsetzen würde, aber er benutzt tatsächlich nur seine Stimme.“ Das haut die kleine Vanessa glatt um. „Das finde ich toll, was der kann“, sagt die Siebenjährige und überlegt mit ihrem Papa, ob sie das zu Hause vor dem Spiegel mal üben sollte.

Schnell nach ein paar einleitenden Sätzen über die Stimme braucht die Sprecherzieherin Hilfe aus den Reihen des jungen Publikums. Der Satz „Hans leiht mir seinen Bleistift“ steht auf der großen Leinwand. Fünf Wörter – und jedes Wort für sich kann durch Betonung besonders hervorgehoben werden. Los geht’s, die Dozentin reicht dem ersten Kind das Mikro. Es betont das erste Wort, also Hans, den Vornamen. „So hast du mir jetzt verdeutlicht, dass nicht Fritz oder Johanna dir den Bleistift geliehen haben, sondern eben Hans“, fasst Fiedler den Versuch mit der ersten Betonung zusammen.

Und was passiert mit der Stimme, wenn ich einzelne Wörter in Sätzen betone? „Ich spreche schneller“, ruft ein Kind. Richtig. „Unsere Stimme erhöht sich für das eine Wort“, sagt ein anderes. Auch richtig.

Das nächste Experiment ist schon kniffliger. Der kleine Maxi darf nach vorn kommen und lässt sich bereitwillig die Augen verbinden. Dann sucht die Stimmenexpertin – ohne dass es Maxi hören kann – aus den Zuschauerrängen unter anderem einen jungen Mann, eine alte Frau, ein Mädchen mit Akzent und eines ohne. Nacheinander lesen die Auserwählten einen kurzen Text vor. Und siehe da, es ist mit verbundenen Augen überhaupt nicht so einfach zu erkennen, ob der Sprecher nun alt oder jung, weiblich oder männlich ist und so weiter. Das findet auch Leonie aus dem Hansaviertel. Die Neunjährige gibt zu, dass sie auch so ihre Schwierigkeiten mit der Aufgabe gehabt hätte.

Im Mittelteil der Vorlesung hört der fünf Jahre alte Aaron wiederum besonders gut zu: „Ich finde spannend, wie die Stimme entsteht.“ Das Ganze hat laut Fiedler etwas mit der Atmung zu tun sowie mit dem Kehlkopf. Damit die Nachwuchsstudenten mal ihr Zwerchfell bewusst spüren, sollen alle mal das „Psst“-Geräusch machen und sich dabei auf den Oberkörper fassen. Im nächsten Schritt heißt es, Finger vorn an den Hals und einmal ganz intensiv „mmmh“ summen. „Merkt ihr, wie es vibriert?“, fragt Fiedler und erntet genauso erstaunte Gesichter, wie bei ihrem letzten Punkt: Wo kann ich meine Stimme später mal beruflich einsetzen. Nämlich nicht nur als Schauspieler, Sänger oder um Krankheiten zu erkennen, sondern auch, um Verbrechen aufzuklären. „So, wie ihr das von TKKG und den drei Fragezeichen kennt“, sagt Fiedler.

(Text & Fotos: Claudia Tupeit)

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