Kinderuni: Die Tücken der menschlichen Wahrnehmung

Die Vorlesung am 27. Juni hält der Neurologe Uwe Zettl

Gehlsdorf. Zeigt diese Zeichnung jetzt eine alte oder eine junge Frau? Sehe ich gerade wirklich unterschiedliche Farbtöne? Und warum nehme ich viele Dinge ganz anders wahr, als sie in Wirklichkeit sind? Mit kniffligen Fragen wie diesen beschäftigt sich die nächste Kinderuni am Mittwoch, 27. Juni. Professor Uwe Zettl von der Klinik und Poliklinik für Neurologie in Gehlsdorf wird über das Thema „Wie funktioniert das Sehen, Wahrnehmen, Denken?“ referieren – und dem jungen Publikum dabei vor Augen führen, dass die Realität für jeden verschieden sein kann.

Für die Vorlesung nähert sich Zettl dem Thema Wahrnehmung von der Perspektive des Sehens aus, weil das „für die Kinder am anschaulichsten ist“, sagt Zettl. Unterstreichen wird der Professor seine Ausführungen mit Bildern, Grafiken und Videos, die zeigen, dass der erste Blick nicht immer alle dargestellten Informationen adäquat aufnehmen kann. So zeigt er unter anderem ein Bild vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, das auf den Kopf gedreht ist und ihn freundlich aussehen lässt. Umgedreht entsteht jedoch ein ganz anderer Eindruck. Solche Bildinterpretationen hängen stark von den Erwartungen ab, sagt Zettl, und sorgen mitunter auch für Erschrecken und Staunen.

Welche Reaktionen solche Bilder hervorrufen, hänge auch davon ab, welche Emotionen der Betrachter mit der Person oder dem Gegenstand verbindet. „Alle sehen zwar das gleiche Bild, aber was schließlich im Kopf passiert, ist bei jedem anders“, erklärt der Experte. „Bei Obama ist die Erwartung in der Regel positiv, darum fällt das Bild meistens doch negativ auf.“

Die Antwort, welche Mechanismen im Gehirn dafür verantwortlich sind, bleibt Zettl den Teilnehmern der Kinderuni natürlich nicht schuldig. Der Mediziner erklärt alles zu den neurologischen Hintergründen der Wahrnehmung und lässt dabei auch Themen wie Farben, Größenrelationen und räumliche Wahrnehmung nicht aus.

Zettl, der neben seiner Professur an der Universität Rostock auch eine in Wien hat, ist Neurologe und Psychiater. „Mein Hauptarbeitsgebiet ist aber die Neuroimmunologie. Das heißt, ich beschäftige mich mit Krankheiten, bei denen das Immunsystem des Menschen das Nervensystem angreift.“ Dazu gehören neben Multipler Sklerose auch Muskelentzündungen und viele weitere Krankheiten. Das Nervensystem könne Schädigungen, die sich zum Beispiel auf die normalen Bewegungsabläufe oder Wahrnehmungsprozesse auswirken, teilweise kompensieren, indem es den Informationsfluss über die Synapsen umleitet. In dieser Hinsicht gebe es diverse Therapiemöglichkeiten, sagt Zettl. Für die Kinderuni bricht Uwe Zettl seine Arbeit nun auf das Thema Wahrnehmung herunter. Darum gehe es in seinem Alltag zwar nur marginal, dennoch bilde das Wissen eine wichtige Grundlage für seine Forschung, sagt der Professor.

Bei der Kinderuni möchte Zettl das Publikum auch direkt mit einbeziehen. So wird es ein Experiment geben, an dem sich Freiwillige beteiligen können. Was genau das sein wird, möchte der Professor noch nicht preisgeben. Nur so viel kann verraten werden: Die Welt wird Kopf stehen.

Die Kinderuni findet am Mittwoch, dem 27. Juni, um 15 Uhr im Audimax auf dem Ulmencampus statt.

 

(Text: Christina Milbrandt, Foto: Pixbay, Universität Rostock)

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