Kinderuni lässt Herzen schlagen

Die letzte Veranstaltung von Universität und OSTSEE-ZEITUNG im Semester am kommenden Mittwoch im Audimax dreht sich ums Thema „Wo schlägt mein Herz?“

Hansaviertel – Einmal die Hand unter die Brust legen – und schon kann jeder seinen Herzschlag spüren. Bei schnellen Bewegungen oder Aufregung pocht es gar so stark, dass das Wummern deutlich zu sehen ist. In der nächsten Kinderuni, der letzten in diesem Semester, erklärt Horst Nizze, wofür jeder Mensch das kleine Organ braucht. Und wo genau es eigentlich schlägt.

Aber keine Angst vor blutigen Beispielen: Der Professor und Mediziner hat ein großes Herzmodell dabei, mit dem er den kleinen und größeren Zuhörern zeigen kann, wie es aussieht. Außerdem zählen zu seinen anschaulichen Hilfsgeräten „Emil“ und „Gustaf“. Natürlich keine echten Jungs, sondern ein Skelett und ein Torso (das Modell eines
Oberkörpers), die er nur kindgerecht benannt hat. „Was ich den Kindern erkläre, zeige ich an diesen toten Gegen- ständen“, sagt Nizze. Und mit Hilfe von Bildern. Auf einem wird sogar die Röntgenaufnahme eines echten Herzens gezeigt. Was es heißt, im Gegensatz zu Skelett Emil und Torso Gustaf lebendig zu sein, führt der 72-Jährige an Kindern vor, die sich nach vorn trauen.

Damit das Herz volle Leistung bringen kann, braucht es Blut. Das bringt es quasi wie eine Art Antriebsmotor in den Kreislauf des Körpers. Ganz wichtig, um am Leben zu bleiben, sind außerdem drei Elemente: atmen, essen und trinken. Die Besucher der Kinderuni werden erfahren, warum Papas und Mamas Recht haben, wenn sie so oft predigen, man müsse genug Flüssigkeit zu sich nehmen und sol- le sich gesund und abwechslungs- reich ernähren. „Deswegen sollen einige Kinder aus dem Publikum die drei wichtigen Elemente vorführen“, sagt Horst Nizze. Beim Thema Atmung kommen Luftballons zum Einsatz, die die Kinder aufblasen dürfen. Und wenn der Fachmann auf die vielen wichtigen Nährstoffe zu sprechen kommt, die wir alle zum Leben brauchen, können die Kleinen ruhig zugreifen. Zum besonderen Anlass müssen sie auch keine Möhren kauen. Es gibt stattdessen für jeden Mitmacher ein Stück Schokolade. Und zum Trinken etwas Milch. „Mit Hilfe von Sauerstoff und Nahrung bekommen wir nämlich Energie“, erzählt der Experte. Wie genau, erklärt er ebenso, wie den Sinn von roten und weißen Blutkörperchen. Dafür hat hm seine 29-jährige hat Enkelin ein Bild mit kindgerechten Darstellungen namens „Ery“ und „Leuko“ gemalt.

Die Sache mit dem Körper und seinen vielen Funktionen sei selbst für Erwachsene schwer zu verstehen, weiß der Professor aus Erfahrung. So ist er vor der Herausforderung, es Knirpsen so verständlich wie möglich zu erklären, ein wenig aufgeregt, gibt er zu. „Ich halte Vorlesungen sonst vor erwachsenen Studenten“, sagt er schmunzelnd.

Seit 1973 ist der gebürtige Schweriner Horst Nizze an der Rostocker Uniklinik, lehrt, forscht und untersucht. In der Stadt hat er bereits studiert, aber schon vor Unibeginn sein Traumgebiet entdeckt: die Pathologie. Bis 2010 ist er aktiver Leiter des Instituts gewesen. „Pathologie erklärt Krankheiten“, laute sein Lieblingssatz, um vereinfacht seine Arbeit zusammenzufassen. Zum Beispiel, indem womöglich krankes Gewebe unterm Mikroskop untersucht wird. Nur ein kleiner Teil befasse sich tatsächlich mit Leichen, betont Nizze und räumt damit einen Irrglauben über sein Fachgebiet aus. Daher werde er bei der Kinderuni über gesunde Organe sprechen.

         files/kinderuni_themes/photos/oz-artikel/Nizze1.png

Horst Nizze (72) spricht Mittwoch bei der Kinderuni über das Herz und was wir sonst brauchen, um lebendig zu sein. Im Hörsaal hat er auch ein größeres Herzmodell als nur den Schlüsselanhänger dabei.

Zurück