Kinder­Uni: Was bringt der Klapperstorch?

Bei der vorletzten Vorlesung im Wintersemester erklärt Dr. Walter Sadenwasser die Frage, wie Babys auf die Welt kommen.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) Um die großen Fragen des Lebens geht es bei der Kinder­Uni ja immer. Am kommenden Mittwoch steht aber sogar die Frage des Lebens selbst auf dem Programm. Dr. Walter Sadenwasser will den jüngsten Studenten der Uni verraten, wie ein Mensch entsteht. Beziehungsweise, was der Klapperstorch denn nun bringt.

Mit dem großen Vogel, dem — was Kinder angeht — ja eine Menge zugetraut und angedichtet wird, will Walter Sadenwasser nämlich einsteigen. „Ich werde einfach mal fragen, ob jemand den Storch schon mal was anderes als Frösche hat transportieren sehen“, erzählt der Vater zweier erwachsener Töchter. Falls ja, müsste er seine Vorlesung wahrscheinlich noch mal ändern. Aber davon ist nicht auszugehen.

Denn es gibt vermutlich nicht viele Rostocker, die sich so gut mit dem Thema Kinderkriegen auskennen wie Sadenwasser.

Weit mehr als 5000 Babys hat der 65­Jährige im Laufe seines Berufslebens erst an der Rostocker Uniklinik, später als Kreißsaal­Leiter am Südstadtklinikum, auf die Welt geholfen, schätzt er. Da muss er einfach wissen, wovon er spricht. Was nach großer Routine klingt, sei aber bis zum Schluss auch für ihn „ein großes Wunder geblieben“, sagt Sadenwasser. Der Moment beispielsweise, wenn große Männer beim Anblick ihres neugeborenen Nachwuchses in Tränen ausbrächen, sei „einfach beeindruckend“.

Mitte Mai war Sadenwasser das letzte Mal bei einer Geburt dabei, bevor er nach einem Nachtdienst erst in den Urlaub und dann in den Ruhestand gegangen ist. Der stressigen Seite seines „Wunschberufes“ — allein 3000 Nachtdienste hat Sadenwasser in seiner Statistik gezählt — trauert er seitdem nicht hinterher. Nun bleibt mehr Zeit, die er in seiner Bibliothek mit lokalgeschichtlichen Büchern verschmökern oder mit seinen gesammelten Briefmarken und Münzen verbringen kann. Aber die schöne Seite des Fachgebiets, das Sadenwasser vor vielen Jahren auch wegen „der überwiegend positiven Ergebnisse“ ausgewählt hat, die vermisse er schon jetzt manchmal, gibt er zu.

Da trifft es sich gut, dass seine Töchter beide in diesem Jahr zum ersten Mal schwanger waren. Das erste Enkelkind ist schon da, das zweite kommt Anfang Dezember. Bei der Geburt dabei sein wird Sadenwasser aber genauso wenig wie bei den eigenen Töchtern. „Wobei das damals auch noch nicht üblich war“, sagt er.

Fotos hat er aber schon gemacht — mit dem damals noch ganz neuen Ultraschallgerät. Mit den heutigen Bildern seien die Schwarz­Weiß­Ansichten von damals allerdings nicht mehr zu vergleichen.

Fasziniert hat ihn die Technik trotzdem schon. Und auch für die Kinder im Hörsaal könne so „der Beweis gebracht werden, dass in dem dicken Bauch wirklich ein Kind drin ist“. Denn einen dicken Bauch könne schließlich jeder haben — „ich auch“, sagt Sadenwasser und lacht.

Übung im Erklären sammelt der Arzt übrigens immer noch — er unterrichtet die Hebammen­Schülerinnen. Rostocks Ober­Hebamme Kerstin Wilde steht ihm dafür am Mittwoch im Audimax bei. „Vor Kindern habe ich ja noch nie eine Vorlesung gehalten“, sagt Sadenwasser. Dafür hat er den einen oder anderen Studenten vielleicht selbst auf die Welt geholt.

Die Vorlesung Was bringt denn nun der Klapperstorch?“ beginnt um 15 Uhr im Audimax, Ulmenstraße 69, der Eintritt ist frei.

Semesterabschluss
Mit der spannenden Frage „Warum ist der Tintenfisch kein Fisch?“ endet das Wintersemester der Kinder­Uni drei Tage vor Heiligabend, am 21. Dezember. Dr. Daniel Oesterwind vom Institut für Ostseefischerei wird die Vorlesung, die um 15 Uhr beginnt, gestalten. Nach den Winterferien startet die Kinder­Uni am 28. März ins Sommersemester. Wer die letzten Vorlesungen bis dahin noch mal Revue passieren lassen will, kann zum Beispiel die Homepage der Kinder­Uni unter www.kinderuni­rostock.de im Netz besuchen.

(Text: Anne Kobarg)

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