Mini-Forscher erkunden das ewige Eis

Bei der Kinder-Uni haben Wissenschaftler von ihrer Arbeit in Arktis und Antarktis berichtet

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Wo liegt der Unterschied zwischen der Arktis und der Antarktis? „Na, das eine ist am Nordpol und das andere am Südpol“, sagt ein Junge. Ein anderer wedelt mit der Hand, will sein Wissen auch noch beitragen: „In der Arktis leben Menschen, in der Antarktis nicht.“Ulf Karsten ist zufrieden. „Ihr hättet beide bei mir die Prüfung bestanden“, sagt der Meeresbiologe.

Der Professor und seine Kollegin, die Chemikerin Julia Regnery, haben die Mini-Studenten gestern bei der Kinder-Uni von OSTSEE-ZEITUNG und Universität mit auf eine Reise ins ewige Eis genommen. In der Arktis, ein Meer, das von Land umgeben ist, kennt sich Ulf Karsten bestens aus. Als Forscher sei er dort unterwegs gewesen. „Und wisst ihr, wer im Meereis lebt?“, will er von den Knirpsen wissen und zeigt dabei das Foto eines Eisblocks mit braunem Rand. „Ist das Schokolade?“, fragt ein Mädchen. Der Professor schmunzelt und schüttelt den Kopf. „Vielleicht Erde?“, vermutet ein Steppke. Daneben geraten. Ulf Karsten klärt die gut 400 Besucher im Hörsaal auf: „Das sind Organismen. Das Meereis ist nämlich lebendig.“ Das wichtigste Tier der Welt sei einer der Bewohner. Der Krill, ein Krebstier, ist nur sechs Zentimeter groß – aber für viele andere Tiere ein wichtiges Nahrungsmittel, zum Beispiel den Wal. Es gibt laut Karsten so viele Krille, dass alle zusammen etwa 380 Millionen Tonnen wiegen. „Mehr als alle Elefanten auf der Welt zusammen“, erklärt er.

Julia Regnery bringt die Zuschauer noch mehr zum Staunen. „Ich habe mal in der Antarktis überwintert“, verrät sie. 14 Monate habe sie auf dem unbewohnten Kontinent, der von Wasser umgeben ist, gearbeitet. Ihr Zuhause war ein Container in der deutschen „Neumayer III“-Station. Wenn sie bei Minus 38 Grad rausgehen wollte, musste sie sich dick anziehen. „Mehrere Schichten, wie bei einer Zwiebel“, erzählt sie und zeigt dazu ein Video: lange Unterwäsche, Hosen, Pullis, Polaranzug, Stiefel, mehrere Kopfbedeckungen und Handschuhe. Mit einer Kamera auf dem Kopf hat sie gefilmt, wie sie im Schneesturm heraus ist. „80 Stundenkilometer Windstärke, kaum Sicht. Ohne Wegseile hätte ich gar nicht gewusst, wo der Weg ist.“ Ein Junge will wissen, ob man auf Skiern mit Windsegel durch die Antarktis könnte. Theoretisch ja, antwortet sie. Aber bei der Windstärke wäre es zu gefährlich.

Viele „Ahs“ und „Ohs“ gehen durch den Saal, als die Forscherin die Einheimischen der Antarktis vorstellt: Kaiserpinguine. Dass die nur auf dem Kontinent am Südpol zu finden sind, hat Kai (9) nicht gewusst. „Und dass die sich alle ganz dicht zusammenstellen, um sich warm zu halten, ist auch spannend“, sagt er. Das nenne sich „huddlen“ und kommt von englischen Substantiv für „Haufen“.

Im Arbeitsgebiet von Ulf Karsten auf der anderen Erdhalbkugel sind mit Eisbären und Robben zwei schwere, große Tierexemplare beheimatet. Womit das Thema der Vorlesung geklärt wäre: „Nord- und Südpol – Kann man da eigentlich leben?“ Ja, in der Arktis leben neben den Tieren sogar Ureinwohner, sagt Karsten. „Und was essen die so?“, will ein Knirps wissen. „Alles, was sie aus dem Meer fangen können. Also viel Fisch.“

In der Arktis bedrohe die Eisschmelze das Leben der Tiere. Würde sich die 2000 bis 4000 Meter dicke Eisdecke verflüssigen, stiege der Meeresspiegel um 60 Meter. „Wir würden dann gerade so auf dem Turm der Petrikirche überleben“, gibt Karsten zu bedenken.

In der Antarktis wiederum müsse die Forscherstation regelmäßig angehoben werden. „Damit sie nicht einschneit“, sagt Julia Regnery. 16 Kinder dürfen dann an das mitgebrachte Modell und mit Hilfe von Spritzen und Schläuchen gleichzeitig die Station im Mini-Format erhöhen. Eben die kleinen Forscher von morgen.

 

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Lena (10, v.l.), Emily (9), Max (9), Anna (9), Amelie (10) und Gerda (9) heben mit Ulf Karsten ein Modell der Station Neumeyer III. (Foto: Ove Ascholl)






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