Moonwalk und explodierende Schokoküsse

Mondfahrt 2.0 bei der Kinder-Uni: Interaktive Science-Show begeistert Schüler

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die Mondmission startet so ohrenbetäubend, als würde tatsächlich eine echte Rakete abheben. Hunderte Schüler kreischen, trampeln, klatschen und bringen damit Rostocks Audimax zum Beben. Es ist der Auftakt zum neuen Semester der Kinder-Uni und der Countdown zu einer galaktischen Reise. Pirmin Schwiertz, Tobias Bohnhardt und Clara Menzen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nehmen die Kinder mit ins All. Ihr Ziel: der Mond. Doch wie kommt ein riesiges Raumschiff überhaupt dorthin? „Ich hab’ da was Spektakuläres vorbereitet“, sagt Tobi Bohnhardt. Der Moderator setzt sich auf ein Skateboard und wirft zwei Laubbläser an. „Meine Triebwerke.“ Kaum kommen die Puster auf Touren, rollt Bohnhardt schon durch den Hörsaal. Das Publikum grölt.

Mit ihrer interaktiven ScienceShow „Eine Gedankenreise zum Mond“ erklären Bohnhardt und seine Kollegen Kompliziertes so, dass jedes Kind es kapiert. Die Drei beweisen, dass Wissenschaft nicht dröge, sondern kurzweilig und aufregend, ja sogar ein echter Knaller sein kann: Um zu veranschaulichen, warum Astronauten besser Raumanzüge tragen sollten, stecken die Moderatoren einen Schokokuss unter eine Glasglocke und saugen die Luft daraus ab. Der Kuss wächst und wächst, bis seine süße Hülle platzt. Die Kinder staunen. Das liege am Vakuum, erklärt Pirmin Schwiertz. Es fehle der Luftdruck, der den Schaumkuss normalerweise in Form halten würde.

Beim nächsten Experiment darf Philipp (11) ausprobieren, was Apollo-15-Astronaut David Scott 1971 in ähnlicher Form auf dem Mond getestet hat: Der Schüler soll Galileis These vom freien Fall beweisen. Dafür lässt Philipp zunächst eine Feder und einen Ball zeitgleich auf den Boden fallen. Der Ball trifft als erstes auf.

Was aber passiert, wenn man den Versuch im Vakuum wiederholt? „Dann ist die Feder schneller“, vermutet Philipp und muss kurz darauf feststellen, dass er irrt. Im luftleeren Behälter kommt beides gleichzeitig unten an.

„Wenn der Luftwiderstand fehlt, fallen alle Dinge gleich schnell, egal wie schwer sie sind. So ist es auch auf dem Mond“, sagt Schwiertz.

Das würde Julia (11) gern erleben. Sich fühlen wie Neil Armstrong, als dieser vor 50 Jahren auf dem Erdtrabant „den großen Schritt für die Menschheit“ machte – das wäre was für die Schülerin. Über den Mond spaziert ist sie bisher zwar noch nicht, dafür hat sie ihn schon aus nächster Nähe gesehen. „Durch ein großes Teleskop. Er sah mega-schön aus.“ Auch ihre Sitznachbarin ist vom Himmelskörper und allem, was sonst noch im Weltall vorkommt, fasziniert. „Es ist cool, Planeten zu entdecken. Am liebsten mag ich den Neptun“, verrät Leila (11).

Im Gegensatz zum Neptun hat die Erde statt 14 nur einen einzigen Mond. Doch der hat die Menschen seit jeher angezogen. Wenn auch nur im übertragenen Sinne. Denn tatsächlich fehlt es ihm an Anziehungskraft. Um das zu verdeutlichen, schlüpft Tobi Bohnhardt ins Känguru-Kostüm und hüpft auf einem Trampolin. „So hoch kann man auf dem Mond auch springen.“ Dass das gar nicht so leicht ist, zeigt ein Video: Darin stolpern Astronauten mehr schlecht durch die Mondlandschaft und legen sich alle Nase lang hin. Die Schüler schütteln sich vor lachen.

Wesentlich eleganter ist der Moonwalk, den Clara Menzen hinlegt: Via Virtual-Reality-Brille macht die Moderatorin mit den Kindern einen Ausflug durch die Kraterlandschaft, ohne dass dafür auch nur einer seinen Sitz im Audimax verlassen muss. Ein galaktisches Mitbringsel hat Menzen den Schülern trotzdem zu bieten: ein echtes Stück Mondgestein.

Am Ende der Mondfahrt 2.0 haben die Kinder jede Menge über den Satelliten der Erde gelernt. Und doch birgt er noch manches Geheimnis. Etwa, warum der Mond auf seiner Rückseite eine wesentlich dickere Kruste als auf seiner Vorderseite hat. Das sei bis heute nicht richtig geklärt, sagt Pirmin Schwiertz. Wer weiß, vielleicht ist es ja eines der Kinder, das jetzt im Hörsaal sitzt, das dieses Rätsel löst.

(Text: Antje Bernstein, Fotos: Ove Arscholl)

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