Naschkatzen wachsen schlechter

Bei der ersten Kinder-Uni im neuen Semester erklärt der Hormon- und Stoffwechselmediziner Holger Willenberg, warum süße Kinder nachts nicht wachsen

Hansaviertel. Die erste Kinder-Uni im neuen Semester wird garantiert süß. Klar, weil so viele niedliche Knirpse wissbegierig im Hörsaal sitzen. Und auch weil der Dozent dieses Mal jede Menge Zucker dabei haben wird. Den mögen – meist in Süßigkeiten versteckt – fast alle Kinder gern essen. Dabei ist der in zu großen Mengen überhaupt nicht gesund. Und kann sogar dazu führen, dass „süße Kinder“ anders und schlechter wachsen.

Holger Willenberg, Professor für Hormon- und Stoffwechselmedizin, wird den kleinen und großen Besuchern am Mittwoch, dem 29. März, erzählen, warum. Denn alles hängt mit dem Wachstumshormon „Insulin“ zusammen. „Wer viel Zucker am Tag isst, hat zwar viele Nährstoffe, aber eben auch viel Insulin im Körper“, sagt der Mediziner. Man wächst also mehr über das Insulin und nicht durch das richtige Wachstumshormon, das es in unserem Körper gibt und das wir freiwillig ausschütten. Und das hat zur Folge, dass der Körper unförmig und nicht gleichmäßig größer wird. Heißt konkret: Viel Zucker lässt einen dick werden, quasi in die Breite gehen.

Wer jetzt aber Schokoriegel und Gummitiere einfach gegen Obst eintauschen will: „Das ist auch nicht die Lösung, weil in süßen Obstsorten zum Beispiel teils auch viel Zucker steckt“, erklärt Willenberg, der Fruchtzucker nämlich. Deswegen sei Gemüse besser. „Was aber nicht heißt, dass Kinder kein Obst essen sollten.“

Und Zucker ganz weglassen, sei auch nicht die Lösung, findet der Fachmann. „Um Gottes Willen, den Zucker brauchen wir in unserem Körper.“ Nur essen manche Kinder nicht nur zu viel, sondern auch zu spät am Tag Zucker. Vor allem abends sollte Süßes tabu sein. Er wird dann nur langsam im Körper abgebaut. „Nüchterne Phasen, die länger andauern, sind vor dem Schlafengehen sehr wichtig, damit Kinder gut im Schlaf wachsen können“, sagt der 47-Jährige. Den jungen Besuchern der Kinder-Uni wird Willenberg allerdings keinen perfekten Ernährungsplan in die Hand drücken. „Das ist gar nicht mein Arbeitsgebiet. Aber ich kann ein paar Tipps für gute Energielieferanten geben, die nicht viel Zucker enthalten.“

Und nicht nur frühes Schlafengehen sei wichtig, wie Willenberg bei der Vorlesung erläutern wird, auch Bewegung, jeden Tag. „Weil der Zucker dann in die Muskeln geht.“ Etwas, was der gebürtige Leipziger im Hörsaal näher erklärt. Ach ja, und dann kann man Zucker ja nicht nur essen, sondern auch zu viel davon trinken – versteckt in süßer Limonade. Wie viele Zuckerwürfel in einer Flasche Cola stecken, will Willenberg den Kindern zeigen. Und für ein Experiment bringt er ein Standglas mit einem Schwimmer darin. Mit Hilfe von ein paar Freiwilligen aus dem Hörsaal soll dieser Schwimmer vorführen, was bei zu viel Zucker auch im Körper passieren kann. „Durch zu viel Süßes können wir nämlich krank werden.“ Zum Beispiel, weil Zucker den Körper verklebt. Was es damit genau auf sich hat, erzählt Holger Willenberg ebenfalls bei der ersten Kinder-Uni, einer Aktion von OSTSEE-ZEITUNG und Universität.

 

(Text & Foto: Claudia Tupeit)

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