Wie Robben mit ihren Barthaaren jagen

Bei der Kinder-Uni verriet Professor Guido Dehnhardt gestern viele Geheimnisse.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) Trüb und dunkel ist es im Meer. Sich ernähren müssen die Robben aber trotzdem. Wie geht denn das? Fragten sich gestern die rund 150 Zuhörer bei der Vorlesung der OZ-Kinder-Uni im Audimax. Ein erster Verdacht wird schnell laut: Etwa riechen? „Nein, genau wie wir Menschen verschließen auch die Robben ihre Nasen ganz fest unter Wasser“, erklärt Professor Guido Dehnhardt von der Robbenstation Hohe Düne.
„Weiß denn jemand, wie Delfine sich orientieren können?“, fragt er in die große Runde. Und die einhellige, richtige Meinung: Durch Klickgeräusche, die der Mensch nicht hören kann. Ein Gegenstand in der Nähe wirft ein Echo zurück und wird als Information zum Gehör geleitet. Robben haben zwar kein sogenanntes Echolot, dafür aber Barthaare. Begeistert ist Lena Chaineux (9) von der Grundschule John Brinkmann auch darüber, dass der Robbenforscher einige Haare zum Anfassen mitgebracht hatte. „Sie fühlen sich wellig an, wenn man darüber streicht“, sagt sie. „In der Fachsprache heißen sie Vibrissen, weil sie vibrieren“, erklärt Dehnhardt. „Der ganze Körper ist davon bedeckt, deswegen reicht der Begriff Barthaare auch nicht aus.“ Trotzdem, die feinen Härchen am Kopf sind besonders empfindlich, werden daher auch Sinneshaare genannt. „Es gibt sie oberhalb der Augen und im Bereich um Mund und Nase. Sie sind sehr beweglich und in Hauttaschen eingebaut.“ Der Mensch habe auch solche Hauttaschen, verrät der Professor. Doch diese sind viel kleiner. Nur einen bis eineinhalb Millimeter groß. Die der Robben messen zwei Zentimeter und sind stark mit Nervenfasern versorgt. „Zehnmal so viele wie bei Katzen“, erklärt der Experte. So würden Signale aus der Umwelt aufgenommen. „Robben benutzen sie zum Tasten, um zum Beispiel Oberflächenstrukturen auf dem Meeresgrund blitzschnell zu erkennen.“ Was sie noch können, ist das Wahrnehmen von Wasserspuren,beziehungsweise Wasserwirbeln, wenn Fische sich bewegen. Robben spüren sie auf und können der Spur folgen — bis sie den Fisch gefangen haben. Den Beweis gab es auf der Leinwand.

(Text: Irene Burow)

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