Rettungseinsatz bei der Kinder-Uni

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) - Man könnte Jörg Westphal (47) auch einen Retter der Kokosnuss nennen. Denn mit dem süßen Früchtchen begann seine Leidenschaft für die Seefahrerei, die in jahrelanger Arbeit für die Seenotretter mündete. Als Fünftklässler habe seine Mutter ihm mal eine Kokosnuss aus der Kaufhalle mitgebracht, erklärt Jörg Westphal. „Die hat mir so gut geschmeckt, dass ich überlegt habe, wie ich da öfter rankomme.“ Klare Frage, klare Antwort: Jörg Westphal beschloss, zur See zu fahren. „Ich dachte: Dann kann ich einfach immer in den Lagerraum gehen und mir Kokosnüsse holen.“ Noch während des Studiums an der Seefahrtschule erfuhr Westphal allerdings, dass ihm der Weg auf die Weltmeere „aus politischen Gründen“ versperrt war. Als sich das mit der Wende änderte, hatte er sein Studium bereits abgebrochen — an Bord gegangen war er trotzdem. Bei den Seenotrettern in seinem Heimatort Wustrow. Stundenlang kann er von seinen ehrenamtlichen Einsätzen auf der Ostsee erzählen — womit er sich ein bisschen von den meisten seiner Kameraden unterscheidet. Manche kommentierten auch die spektakulärsten Rettungsaktionen nur mit „wir sind hingefahren und haben ihn rausgeholt“, bestätigt Westphal und lacht. Sein Motto sei aber „tue Gutes und rede drüber“, denn das ist seit drei Jahren sein Job: als Leiter des Informationszentrums der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger (DGzRS) in Warnemünde.
Und als solcher kehrt Jörg Westphal nun sogar an die Universität zurück. Am kommenden Mittwoch wird er rund 500 kleinen Studenten im Audimax verraten, was die Seenotretter alles machen. Und damit das nicht zu theoretisch wird, will Westphal auch praktische Hilfsmittel mitbringen. Ausrüstung, eine Rettungsinsel, vielleicht sogar ein Boot. Damit seine Studenten schon vor Beginn der Kinder-Uni um 16 Uhr ein bisschen Seeluft schnuppern können.

Die echte See liegt dafür ja doch zu weit vom Audimax entfernt — aber in seinen Geschichten und mit vielen Filmen wird Jörg Westphal die Kinder mit auf spannende Einsätze nehmen. Zum Beispiel den vom 13. August 2008, als die Seenotretter verzweifelt nach einem über Bord gefallenen Segler vor Warnemünde suchten. „Mit acht Booten waren wir draußen“, erzählt Westphal. Die Wellen schlugen meterhoch, zwei Stunden suchten sie verzweifelt nach dem Mann im schwarzen Neoprenanzug. Die Hubschrauber hatten schon abgedreht, da rief einer der Retter die erlösenden Worte: „Da ist er!“ Bei der Einfahrt nach Warnemünde hätten die Segler auf allen Booten die Daumen hochgereckt. „Das war Gänsehaut pur“, sagt Jörg Westphal.

Die Reise, auf die er seine kleinen Zuhörer mitnehmen will, führt aber nicht nur weit aufs Meer hinaus, sondern auch zurück in die Vergangenheit. Zum Beispiel zu den ersten Seenotrettern, die noch im Ruderboot nach Schiffsbrüchigen suchten. Die passende Kleidung für jedes Jahrhundert hat Westphal selbstverständlich ebenfalls im Gepäck. Auch die allererste mit breitem Korkgürtel.

Die Dreiviertelstunde Vorlesungszeit werde jedenfalls „sehr knapp“ — das weiß der Vater eines Jungen jetzt schon. Schließlich will er auch noch verraten, wie die Besatzung der Seenotrettungskreuzer ihre 14-Tage-Schichten an Bord verbringen, was man für einen Einsatz alles können muss — und ob die Retter auch mal seekrank werden. ANNE SCHEMANN Info: Die Vorlesung „Was machen eigentlich die Seenotretter?“ beginnt am 26. Mai um 16 Uhr. Mit dem Thema „Warum tragen Mädchen Röcke und Jungen Hosen“ klingt das Semester dann am 30. Juni aus. An diesem Tag werden auch die Preise verlost.

 

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