Im Jahr eine DKB_Arena voll Müll

Stephanie Nelles und Gert Morscheck verrieten bei der Kinder-Uni, wie viel die Rostocker wegwerfen. Und wo der Müll landet.

Rostock (OZ) - Mit fremdem Müll hat Dennis (13) gute Erfahrungen gemacht. „Ich hab‘ ein Radio gefunden und für zehn Euro verkauft“, erzählt er mit leuchtenden Augen. „Und ein Fahrrad, das war nagelneu!“ Den eigenen Müll einzuschätzen scheint etwas schwieriger zu sein. „100 000 Tonnen im Jahr?“, schätzt Dennis. Sein Sitznachbar Jill (9) tippt sogar auf das Doppelte. Was wiederum Dennis herausfordert: „Nee, ich glaube doch eine Million.“ Da kam der Auftritt von Dr. Gert Morscheck und Stephanie Nelles vom Institut für Umweltingenieurwissenschaften bei der Kinder-Uni gestern gerade recht — um mit so manchem Müllproblem aufzuräumen. Den Anfang macht Morscheck mit einer schnellen Müllkunde. Papier in die blaue Tonne, soviel ist klar. Aber schon bei den gelben Klebezetteln gibt es die ersten Überraschungsrufe im Hörsaal. Die kommen nämlich nicht zum Papier, wegen der Klebe. Und wer zu Hause alle Kartons immer schön zerkleinert hat, hat sich die Arbeit umsonst und den Müllexperten zusätzliche gemacht. „So groß wie möglich lassen, das kann besser sortiert werden“, rät Morscheck.
Stephanie Nelles macht den Test. Auf die Windel gibt‘s statt einer Antwort aber erst mal laute „Ihhh“-Rufe. „Nun stellt euch nicht so an, die haben wir alle mal umgehabt“, sagt Nelles und lacht.

Gelbe, blaue, schwarze — insgesamt 15 Tonnen hat die Stadtentsorgung hinter ihrem Rücken aufgetürmt — aber für Handys und Batterien ist keine dabei. „Die müsst ihr zum Recyclinghof bringen“, erklärt sie.

Was mit dem übrigen Müll passiert zeigt Morscheck in vielen Bildern: Auf der Leinwand wird Papier zu Schlamm, von Metall gesäubert, wieder gepresst und gebleicht — bis am Ende weiße Rollen in die Druckereien gebracht werden können. „Wenn ihr altes Papier sammelt, können wir daraus neue Zeitungen machen“, erklärt Morscheck.

Ganz so einfach ist es mit der gelben Tonne nicht. Die Kunststoffe müssen auch nach Farben getrennt werden. „Denn wer von euch würde schon graues Spielzeug kaufen? Die schwierigste Arbeit übernimmt eine neue Maschine: Per Lichtstrahl werden die Farben auf dem Fließband geordnet und mit einem Luftstrahl getrennt. „Viel, viel schneller als im Märchen“, sagt Morscheck und erntet bewundernde Blicke. Zwei Millionen Tonnen Plastikmüll werden so allein in Deutschland pro Jahr wiederverwertet.

Weiter geht die Entdeckungsreise zur Sortiermaschine für Glas. Ein Magnet fischt die Kronkorken raus, dann werden die Flaschen aussortiert, die im falschen Container gelandet sind — bis schließlich alles im heißen Ofen eingeschmolzen wird.

Der Rostocker Biomüll kann nach Zwischenstation im Kompostwerk in Parkentin auf die Felder gestreut werden. „Riecht auch nicht mehr“, sagt Morscheck, auch wenn manch kleiner Student vorsichtshalber die Nase rümpft. Am schwierigsten ist es mit den schwarzen Tonnen. Mit einem Teil dieses Restmülls könne im Überseehafen Gas erzeugt werden, sagt Morscheck. „So viel wie elf Liter Kraftstoff pro Rostocker.“ Was dann noch übrig bleibt, landet auf großen Deponiebergen.

Da ist es gut, dass jeder Rostocker nicht eine Million, sondern nur sieben schwarze Tonnen pro Jahr füllt. Doch auch damit ließe sich jedes Jahr einmal die DKB-Arena voll machen, hat Morscheck errechnet.

(Text: Anne Schemann)

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