Professor löst ein Robben-Rätsel

Bevor die Kinder-Uni in die Winterpause geht, verrät ein Seehund-Forscher, wie die putzigen Tiere ihr Mittagessen fangen.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) Eins steht fest: Wenn Menschen ihr Mittagessen im Meer jagen müssten, würden sie allesamt verhungern. Und nie wieder nach Hause zurückfinden. „Für uns ist Wasser ja gleich Wasser“, sagt Professor Guido Dehnhardt (50). Trüb und dunkel — ohne irgendein Hinweisschild. Robben finden sich trotzdem prima zurecht und über Tausende Kilometer exakt zum gleichen Platz zurück. Wie machen die das? Und wie finden sie ihre Beute?
Spannende Fragen für die Kinder-Uni am kommenden Mittwoch, die wohl niemand besser beantworten könnte als Dehnhardt, der seit mehr als zehn Jahren mit den Robben arbeitet, forscht — und lebt. Seit drei Jahren ist er Leiter einer Forschungsstation im Yachthafen Hohe Düne. Durch sein Bürofenster auf dem Forschungsschiff kann Dehnhardt direkt aufs Wasser blicken, aus dem immer mal wieder einer seiner zehn Schützlinge den Kopf hebt. „Luca“ oder „Moe“ oder der forsche „Filou“, der seinen Namen nicht umsonst trägt, wie Dehnhardt lachend verrät. Wenige Tage nach dem Einzug in das 60 mal 30 Meter große Freiluftrevier hatte „Filou“ probehalber schon mal ein Loch in den Zaun geknabbert und einen kleinen Ausflug unternommen. Auf Zuruf und Pfiff sei er aber schnell wieder zurückgekommen, erzählt Dehnhardt. „Für die Robben ist das hier auch ein Zuhause.“ Für ihn selbst auch — zumindest während der Arbeitszeit. Seine Frau und sein Sohn wohnen in Bonn, wo der Biologe auf seinem Forschungsweg über Münster, Bielefeld und Bochum nach Rostock auch mal für vier Jahre Station gemacht hatte. In der Hansestadt ist Dehnhardt deshalb ganz für seine Robbenfamilie da — von seinem Büro aus wechselt er abends zum Schlafen nur einmal quer über den Flur in die Kabine. Sollten ihn die Tiere nachts brauchen, wäre er sofort zur Stelle.

Schwer falle ihm dieser Rund-um-die-Uhr-Einsatz keineswegs, beteuert der Professor. „Das ist auch mein Hobby.“ Und Tiere waren sowieso schon immer seine Leidenschaft. „Ich wusste bereits als kleiner Junge genau, was ich später machen will.“ Nur für seine Eltern war das nicht immer leicht. Zum Beispiel, als Dehnhardt als Vierjähriger plötzlich verschwunden war — bis ihn seine Eltern in der Nähe seiner Heimatstadt Rheine im Wald bei den Rehen entdeckten. Oder als er später 200 Weinbergschnecken im Garten hielt.

Wobei es ihn nie interessiert habe, die Tiere einfach nur aus der Ferne zu beobachten, gesteht Dehnhardt. „Ich wollte schon mit ihnen arbeiten.“ Allerdings nicht so wie früher mal im Münsteraner Zoo, wo die Delfine Zirkustricks einstudieren mussten. Dehnhardt geht es darum, die Tiere besser zu verstehen. Und von ihnen zu lernen.

Das Rätsel, wie Robben ihr Mittagessen aufspüren, hat er bereits gelöst — und wird es Mittwoch weiterverraten. Und wer sich alles gut merkt, kann das Gelernte dann ab April bei einem Besuch bei den Robben in Hohe Düne überprüfen.

(Text: Anne Schemann)

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