Stevens bunte Gipsarme sind Teil der Lektion

Morgen lautet das Thema bei der Kinderuni: „Warum brechen Knochen?“

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) - Fürs Keksessen hat Steven Berg einen Trick. „Die lasse ich einfach über meinem Mund fallen“, erzählt der Elfjährige. Reinstecken geht gerade nicht, weil Stevens beide Arme bis über die Ellenbogen eingegipst sind. „Ich bin im Sportunterricht hingefallen“, erklärt er. Bis zum Wochenende muss Steven noch auf der Kinderchirurgie des Uniklinikums bleiben. Dafür darf er seinen Arzt, Toralf Scheltz, morgen zur Kinder-Uni ins Audimax in der Ulmenstraße begleiten. Denn dort geht es genau um sein Thema: „Warum brechen Knochen?“ Toralf Scheltz muss es wissen, denn in der Ambulanz behandelt er jeden Tag kleine Patienten mit Brüchen. Gefährlich werde es immer ab der Zeitumstellung im Frühjahr, sagt der 44-Jährige. „Da sind die Kinder abends länger draußen, müde — und fallen vom Klettergerüst.“ Alles aber kein Grund, sich nicht zu bewegen, betont der Doktor. Denn Sport sei auch der beste Schutz gegen Brüche. „Die Muskeln halten ja die Knochen.“ Mit Sport kennt sich der gebürtige Wittenberger ebensogut aus wie mit Medizin. Früher war er Leistungsschwimmer in Potsdam, heute jagt er ganz persönlichen Rekorden hinterher. Einmal im Jahr beim Ironman beispielsweise, was übersetzt soviel wie „Eisenmann“ heißt. Und eisern muss auch durchhalten können, wer erst 3,8 Kilometer schwimmen, anschließend 180 Kilometer Fahrrad fahren und dann noch einen Marathon laufen möchte. Elf bis zwölf Stunden braucht Scheltz dafür. Einen ganzen Tag Sport also.
Manchmal reicht ihm nicht mal das. Der Arzt ist auch schon 24 Stunden am Stück geschwommen. Nur gut, dass seine Frau und seine Tochter diese Leidenschaft teilen, da muss er nicht allein seine Bahnen ziehen. „Andere spielen stundenlang Klavier, wir machen Sport“, sagt Scheltz und lacht.

So ist der Mediziner, der seit einem Jahr in Rostock arbeitet, fit für den stressigen Job im Krankenhaus. Den hatte sich Toralf Scheltz als Kind allerdings anders vorgestellt. „Ich hatte einen Sportarzt, der nachmittags segeln gegangen ist — das fand ich gut.“ Dass die Realität etwas anders aussieht, hat nun dazu geführt, dass seine Tochter „lieber einen Job möchte, bei dem man nicht fast jedes Wochenende arbeiten muss und nachts angerufen wird“, sagt Scheltz lächelnd. Ihm aber macht die Arbeit mit den kleinen Patienten immer noch großen Spaß.

Und er wird ihnen bestimmt kein Essen verordnen, das nicht schmeckt. Denn nur zu gut erinnert er sich an seinen ersten eigenen Krankenhausaufenthalt. Als Zehnjähriger bekam er nach einer Operation nur Haferschleim. „Den habe ich weggekippt, und dann war das Waschbecken verstopft“, erzählt Scheltz und lacht. Das will er seinen Patienten ersparen — und auch beim Gipsabnehmen berücksichtigt er Sonderwünsche. „Wenn ein Name wichtig ist, schneiden wir natürlich drumherum.“ Steven hat ja besonders viel Platz — und kann am Mittwoch also viele Autogramme sammeln.

(Text: Anne Schemann)

Zurück