Professor und Nachtwächter entführen ins Mittelalter

Die Rostocker Stadtmauer ist das Thema bei der Kinder-Uni im Audimax.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Eine Zeit ganz ohne Autos, ohne Computer und sogar ohne Schule: Darüber haben gestern die kleinen Besucher der Kinder-Uni, eine gemeinsame Aktion der Universität Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG, spannende Dinge erfahren. Geschichtsprofessor Thomas Wetzstein nahm die Nachwuchsstudenten mit auf eine Reise in das Mittelalter und klärte mit ihnen gemeinsam die Frage, warum Rostock eigentlich eine Stadtmauer hat und warum diese damals so wichtig für die Menschen war.

„Vor 1000 Jahren haben die Menschen in Europa angefangen, ihre Städte zu ummauern“, erklärt Wetzstein den Kindern. Woher er das wisse? Ganz einfach: Archäologen und Kunsthistoriker haben alles, was sie unter der Erde gefunden haben, untersucht und das jeweilige Alter bestimmt. Auch Überlieferungen, alte Dokumente und Urkunden – so wie sie im Rostocker Stadtarchiv liegen – helfen dem Geschichtsprofessor und seinen Kollegen, Informationen über längst vergangene Zeiten zu bekommen. „Doch unsere Stadt Rostock hat erst viel später angefangen, eine Mauer zu bauen, nämlich vor 700 Jahren“, erzählt Wetzstein. Ein leises Raunen geht durch die Reihen. „Ich habe die Rostocker Stadtmauer schon einmal gesehen. Aber dass die so alt ist, wusste ich gar nicht“, sagt der neunjährige Jannis. Er findet das Mittelalter toll und spannend.

Wie eine Stadt damals aussah und was an der Stadtmauer alles passierte, erklärte Wetzstein mit Hilfe eines kurzen Trickfilms. Er zeigte ein kleines Stück der beliebten TV-Serie Ritter Trenk, nämlich die Folge, in der sich der kleine Mann an den Wachen vorbeischummelt und so in die Stadt gelangt. „Die Mauer war vor allem dazu da, die Menschen, die in ihr lebten, zu schützen“, so der Professor. Denn: Eine Polizei, so wie wir die heute kennen, gab es damals nicht. Und da in der Stadt viel mit Waren gehandelt wurde und die Menschen reicher waren als die auf dem Land, hatte man Angst vor Eindringlingen. Und so wurde im Jahr 1265 angefangen, die komplette Hansestadt mit einer Mauer aus Steinen zu umrunden. „40 Jahre lang haben die Rostocker gebaut, und jeder Bürger musste mithelfen“, erzählt der Professor.

Hilfe gab es auch von einer ganz bestimmten Person: dem Rostocker Nachtwächter. Immer wenn es dunkel wurde, zog er im Mittelalter durch die ummauerte Stadt, sorgte für Sicherheit und Licht in den dunklen Gassen der heutigen Altstadt. Und auf einmal wurde es gestern auch im Hörsaal auf dem Ulmencampus ganz dunkel. Dann stand er da, mit seiner Laterne, seinem dunklen Mantel und seiner Hellebarde: der Nachtwächter. „Damals konnte man mich bestellen, wenn ich den Menschen Licht machen oder zu einer Gaststätte führen sollte“, erzählte der Wächter den Kindern. Auch den sogenannten Stundenruf – das Ansagen der Uhrzeit – und Warnrufe gehörten zu den Aufgaben. Ein solchen übte er gleich einmal mit den Teilnehmern der Kinder-Uni: „Liebe Leute löscht das Feuer und das Licht, dass heute Nacht kein Feuer ausbricht!“

Die alte Stadtmauer war insgesamt 3,5 Kilometer lang. Heute existieren noch um die 400 Meter – ein Stück in der Östlichen Altstadt und ein Teil an den Wallanlagen.







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