Schiffchen bauen im Audimax

Jungen und Mädchen lernten bei Kinder-Uni, warum Schiffe schwimmen und wann sie untergehen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die lauten Nein-Rufe aus Hunderten Kinderkehlen konnten Sebastian Greshake von seinem Tun nicht abhalten. Er legte noch einen „Container“ zu den anderen auf dem Lego-Schiff – und es passierte, was die Jungen und Mädchen alle befürchtet hatten. Das Schiff ging unter. Lautes Geschrei im Audimax auf dem Campus Ulmenstraße, wo sich fast 500 Zuhörer bei der Kinder-Uni eingefunden hatten. Das Thema: Warum schwimmt ein Schiff?

Uni-Professor Robert Bronsart von der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik und seine Mitarbeiter hatten einige Experimente vorbereitet. „Schiffe sind groß und schwer, aber können trotzdem schwimmen. Warum eigentlich?“ Robert Bronsart nutzte die 45 Minuten, um den Kindern genau das zu erklären. Er hoffe, auch noch was lernen zu können, hatte ein Opa im Vorfeld verraten.

Das habe viel mit Mathe und Physik zu tun, aber das müssten sich die Kinder nicht merken, begann Robert Bronsart seinen Vortrag. Den Begriff Dichte zu erklären, war schon eine Herausforderung. Im Vorfeld hatte er sich sogar mit Grundschullehrern beraten, um zu erfahren, wie er den Stoff kindgerecht rüberbringen könnte. Nur soviel sollten die Nachwuchs-Studenten verstehen: Das Verhältnis von Gewicht und Größe ergebe die Dichte und je nach Dichte schwimmen Stoffe wie Holz und Styropor, Stahl oder ein schwerer Kneteklumpen aber nicht.

Moment! Schiffe sind doch aus Stahl und die schwimmen doch auch. Warum das funktioniert, zeigten Robert Bronsart und Sebastian Greshake mit einem Experiment. Aus dem Kneteklumpen, der vorher noch unterging, formten sie ein Schiffchen, das dann im Glasbecken schwamm. Mit dem Experiment zeigten die Wissenschaftler, wie viel Flüssigkeit in beiden Fällen verdrängt wird. „Ein Schiff schwimmt, wenn es mehr Wasser zur Seite schiebt als es wiegt“, so die klare Erklärung. Das funktioniere auch bei den ganz Großen, verrät Professor Bronsart. Das Gesetz des alten griechischen Wissenschaftlers Archimedes muss erfüllt sein, die „Verdrängung muss stimmen“, sagen die Schiffbauer.

Dass Schiffe aus Stahl zwar schwer sind, aber auch viel Luft enthalten, leuchtete auch Florentine (9) aus Klein Schwaß ein. Warum Schiffe schwimmen können, hat sie verstanden. „Sehr gut erklärt“, befand auch Jolien (9) aus Kritzmow, die nicht zum ersten Mal eine Vorlesung der Kinder-Uni besuchte. Liam (8) aus Bentwisch hat das mit dem Schwimmen ebenfalls gut kapiert, ob er das seinen Freunden genauso erklären kann, da war er sich nicht ganz sicher.

Vom Uni-Professor lernten die Kinder aber nicht nur, wie das mit dem Schwimmen funktioniert, sondern auch, dass Schiffe untergehen können. Wenn sie falsch oder zu schwer beladen werden. Das musste an diesem Nachmittag „Lego-Kapitän Hansen“ leidvoll auf seinem Schiff erfahren. Trotz Warnung der Kinder legt Sebastian Greshake einen Container nach dem anderen auf das Schiff. Bis es irgendwann zu viel wurde und der Frachter unterging. Danach stapelte er die Container so hoch, dass das Schiff einfach umkippte. „Die Experimente waren das Beste“, war für Liam nach der Vorlesung klar. Gestern Abend dürften so manche Spielschiffe oder schiffsartige Gefäße in Badewannen auf Schwimmfähigkeit und Beladungsgrenze getestet worden sein. Das Konzept mit den Experimenten sei jedenfalls voll aufgegangen, war Robert Bronsart nach der Vorlesung höchst zufrieden.

(Text & Foto: Lea-Marie Kenzler)

Zurück