Verband, Schiene, Schraube: Hörsaal wird zur Arztpraxis

300 Kinder erleben die Auftaktveranstaltung für das Sommersemester der Kinder-Uni. Ärzte aus der Tierklinik stellen ihre Arbeit vor. Patientin ist Hündin „Laika“.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Geduldig liegt Hündin „Laika“ auf dem Tisch und lässt sich in aller Ruhe das Bein verbinden. Sie war der Star der gestrigen Auftaktvorlesung des Sommersemesters der Kinder-Uni, die von der Uni Rostock und der OSTSEE–ZEITUNG präsentiert wird.

„Tragen Hunde Gips?“, wollten Enno Bartolomaeus und Jens-Christian Rudnick von der Tierklinik Rostock von den rund 300 Kindern, die zum Teil mit ihren Eltern, Großeltern oder Klassenlehrern gekommen waren, wissen. Eine gute Frage, denn Hunde können ihre Gliedmaßen bei einem Bruch nicht einfach stillhalten. Sie wollen laufen und deshalb muss eine andere Lösung her. Doch zunächst erzählen die Dozenten die Geschichte von „Benny“, dem Labrador, und Lars, seinem Herrchen. „Benny“ läuft weg, und als er wiederkommt, humpelt er. Rat holt sich Lars beim Tierarzt in der Tierklinik. Der Arzt stellt schnell fest: Das Vorderbein ist gebrochen.

Hündin „Laika“ war gestern ausnahmsweise Hund „Benny“ und Bartolomaeus zeigte an ihr, wie ein Tierarzt den Hund untersucht. Ein Raunen geht durchs Publikum, die Kinder recken die Hälse. Der Arzt hält eine Schiene wie aus dem Metallbaukasten hoch. „Die machen wir an den beiden Knochenenden mit Schrauben fest“, sagt er. Das probiert er natürlich nicht an „Laika“ aus, schließlich ist sie gesund. Doch wie ein Hundebein verbunden wird, das lässt sich vorführen. Jaden (7) und Amelie (8) dürfen helfen und den Hund festhalten.

„Laika“ bekommt einen dreifachen Verband und einen Schuh, der die Pfote vor Nässe schützt. Die Hündin darf runter vom Tisch. Die Kinder sind begeistert, klopfen wie echte Studenten auf ihre Tische. Finger schnellen in die Höhe. Die Bandbreite an Fragen ist groß. „Kann ein Kaninchen nach einem Tierarztbesuch sterben?“ und „Dauert eine Operation bei einem Elefanten länger als bei einem Hund?“ wollen die Kinder von den Ärzten wissen.

Die 13-jährige Hanne Stoll fand die Vorlesung „ziemlich gut“. Ganz besonders, als „Laika“ verbunden wurde. „Ich habe einen Kater, er heißt ,Poldie’. Er niest manchmal“, erzählt die Drittklässlerin. Zum Tierarzt musste sie mit der Katze zum Glück aber noch nicht. Finja Ehlert hat einen ganzen Zoo zu Hause. „Ich habe auch zwei Hunde, ,Jackson’ und ,Boja’“, erzählt Finja stolz, „und Fische und eine Schildkröte, Hühner, eine Katze und eine Vogelspinne.“ Sie sagt, dass sie oft mit Oma und Opa an den Lesungen der Kinder-Uni teilnimmt. „Die Eltern müssen arbeiten“, erklärt Finjas Oma. Vorlesungen zum Weltraum, den Farben oder zum Herzkreislauf hätten sie in den letzten Jahren schon besucht, sagt die Achtjährige.

Die nächste Vorlesung im Rahmen der Kinder-Uni findet am 29. April um 15 Uhr im Audimax Ulmencampus statt. Das Thema: Die Griechen und Römer bitten zu Tisch. Darüber erzählt Wytse Keulen vom Institut für Altertumswissenschaften der Uni Rostock.

 

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Enno Bartolomaeus (v. l.), Jens-Christian Rudnick und Anne Holzendorf (r.) bekommen beim Verbinden von „Laikas“ Bein Hilfe von Jaden (7) und Amelie (9). (Foto: Ove Arscholl)

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