Von der Schule in den Hörsaal

Berufswunsch berühmter Physiker: Hannes und Paul sind die Reporter der Kinderuni Rostock / Die Zwillinge sind im Audimax dabei, wenn die Dozenten die Vorlesung als Livestream übertragen

Sanitz. Ihre Vorbilder sind Albert Einstein und Leonardo da Vinci. Sie schauen am liebsten Wissenschaftssendungen über das Weltall und fragen sich generell immer, wie etwas in der Welt funktioniert. „Deswegen sind wir jetzt die Kinderreporter“, sagen sie selbstbewusst.

Die Zwillinge Hannes und Paul Marquardt aus Sanitz begleiten die kommende Kinderuni in Rostock. Sie werden gemeinsam herausfinden, warum Blumen farbig sind. Denn das ist das Thema des Vortrages am Mittwoch, den 28. Oktober. Hannes und Paul werden vor Ort sein und die Dozenten mit Fragen löchern, während die anderen Kinder zu Hause vor den Bildschirmen der Vorlesung lauschen können.

„Wir sind viel draußen in der Natur unterwegs und haben uns wirklich schon einmal gefragt, warum die Blumen so unterschiedlich sind“, gibt Hannes zu. Die Zehnjährigen wissen zwar schon sehr viel, aber diese Frage konnten sie sich bisher nicht beantworten. Eine gute Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen, finden die beiden. Denn: „Die Natur ist schon echt spannend“, sagt Hannes. „Mich interessiert alles, was mit Naturwissenschaft zu tun hat.“

Genau wie ihre Vorbilder sind die Zwillinge Linkshänder. „Das ist ein Zeichen“, sagt Paul mit einem Augenzwinkern. Die beiden sagen, dass es das Geheimrezept wäre, um ein berühmter Physiker zu werden. Und das ist auch Pauls Plan. Er möchte später gern theoretischer Physiker werden, Theorien berühmter Wissenschaftler verbessern und eine eigene Formel entwickeln. In der Schule setzt er sich viel mit den Wissenschaftlern auseinander. „Ich bin auch ein kleiner Mathefreak“, sagt er über sich. In seiner Schule hat er mal an einer Natur-AG teilgenommen. „Deutsch und Englisch zählen aber auch zu meinen Lieblingsfächern“, sagt er. „Englisch haben wir schon in der Kita angefangen zu lernen.“

Das Interesse für die Wissenschaft kam bei beiden auch schon im Kindergarten, erzählen sie. Seitdem stöbern sie durch Bücher, schauen Videos oder Wissenssendungen. Vor allem die Raumfahrt und das Weltall seien Themen der Dokumentationen. „Und manchmal schauen wir diese auch bis mitten in die Nacht“, gibt Paul zu. Hannes hat sich noch nicht festgelegt, was er später werden möchte. „Ich habe so viele Interessen“, sagt er. Darwin und da Vinci findet er auf jeden Fall gut, genauso wie Geografie und Informatik in der Schule.

Wenn Hannes und Paul nicht gerade die Welt erforschen, spielen sie Inlinehockey bei den Rostocker Nasenbären. „Wir wollten das mal ausprobieren und sind geblieben“, sagt Hannes, der als Feldspieler unterwegs ist, Paul steht im Tor. Drei Mal in der Woche trainieren sie auf den Inlinern. „Es ist ein Sport, der Spaß macht“, sagt Hannes. „In meiner Klasse spielen alle Fußball, aber Inlinehockey ist mal etwas anderes.“ In ihrer Freizeit schauen sie gern Animes, also japanische Zeichentrickfilme. „The Seven Deadly Sins“ und „Dragonball“ schauen sie am liebsten. Mit Freunden spielen sie im Freien die Charaktere der Serie nach und überlegen, wie die Figuren der Serie noch besser werden könnten. „Und wir überlegen uns auch neue Charaktere, die gut zu dieser Serie passen könnten“, erzählt Hannes. Ihrer Kreativität könnten sie in der Natur freien Lauf lassen. Die meisten dieser Serien würden mit einem Cliffhänger enden. Sich zu überlegen, wie die Serie weitergeht und diese Situationen nachzuspielen, würde sehr viel Spaß machen. Pauls liebste Superkraft: Materie kontrollieren.  „Dann könnte ich alles machen.“ Hannes würde gern die Superkraft haben, anderen Menschen Superkräfte zu übertragen. „Aber ganz genau festlegen möchte ich mich nicht“, sagt er. Auch das Lesen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der beiden. Die ersten vier Harry-Potter-Bände hätte Hannes in nur wenigen Wochen verschlungen, inzwischen stehen eher Mangas auf der Leseliste. Und Hannes kann auch Bücher auf dem Kopf lesen, verrät er. „Wir hatten mal eine kleine Übung dazu in der Schule und das fand ich lustig, dann habe ich ein kleines Buch auf dem Kopf gelesen“, sagt er lachend. Streit gebe es nicht viel bei den beiden, es gehe eher entspannt zu, erzählt Paul. „Und Hannes ist ein bisschen chaotisch“, lacht er. Wie die Wissenschaftler eben.

(Text: Stefanie Ploch, Foto: Ove Arscholl)

Zurück