Von Gaunern und Gesetzen

Wer bestimmt, was böse ist? Justizministerin zu Gast bei der Kinder-Uni

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Katy Hoffmeisters Weste ist blütenweiß. Verbotenes scheint sie kein Stück zu reizen. Denn fragt man Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin danach, was sie in ihrem bisherigen Leben getan hat, obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, antwortet sie: „Ehrlich gesagt, kann ich mich an nichts Schlimmes erinnern.“ Mit Menschen, die das nicht von sich behaupten können, sondern einiges auf dem Kerbholz haben, kennt sich Katy Hoffmeister dagegen aus. Schließlich ist sie die oberste Chefin aller Gefängnisse im Land.

Wer Böses tut, wird bestraft, und Gauner landen hinter Gittern. Das weiß jedes Kind. Warum aber darf man nicht alles machen, was man möchte? Das will Katy Hoffmeister wissbegierigen Kids bei der nächsten Kinder-Uni-Vorlesung beibringen. Dabei will die Juristin zum Beispiel erklären, wie Gesetze entstehen. Die seien nämlich wichtig. „Sie sind sozusagen die Spielregeln unseres Zusammenlebens in Deutschland. Wenn wir so leben, wie es die Gesetze erlauben, bekommen wir auch keinen Ärger von der Polizei oder von den Gerichten“, erklärt die Juristin. Die Spielregeln stehen in Gesetzbüchern. Aber gelten die nicht nur für Erwachsene? Nein, sagt Katy Hoffmeister. Auch Mädchen und Jungen haben Rechte und Pflichten. „Kinder haben ein Recht auf Bildung und auf freie Zeit, in der sie spielen und sich erholen können. Das Recht auf ein gesundes Leben ist auch sehr wichtig. Kinder brauchen Essen, sauberes Trinkwasser und genügend Ärzte, die sich kümmern, wenn sie mal krank sind.“ Das alles sei festgeschrieben und Erwachsene müssen sich daran halten.

Aber auch für Kinder gibt es Vorschriften, die nicht jedem Steppke gefallen. Eine davon lautet Büffeln. „Wie die Eltern zur Arbeit gehen, haben Kinder die Pflicht, zur Schule zu gehen und Hausaufgaben zu machen“, erklärt Hoffmeister. Wer seine Schularbeiten liegenlässt, kriegt meist Ärger mit Mama oder Papa. Dabei können die auch ohne Anlass nerven. Zum Beispiel, wenn sie unliebsame Hausarbeiten wie Zimmeraufräumen verteilen.

„Dürfen die das überhaupt?“, hat sich das eine oder andere Kind bestimmt schon gefragt. Ja, sie dürfen, erklärt Katy Hoffmeister. „Eltern sollten von ihren Kindern aber nichts verlangen, was diese gar nicht schaffen können.“ Kindgerechte Aufgaben im Haushalt seien jedoch wichtig. „Dadurch lernen Kinder, was es bedeutet, in einer Gemeinschaft zu leben und anderen zu helfen.“ Was rät sie Kids, die sich von Eltern, Lehrern oder anderen Erwachsenen ungerecht behandelt fühlen? „Mir hat es immer geholfen, mit dem- oder derjenigen über mein Gefühl zu sprechen. Das ist sehr wichtig, damit dieses Gefühl aufhört. Manchmal muss man sich aber auch selbst ändern, damit man sich nicht mehr ungerecht behandelt fühlt.“

Doch wer bestimmt, was Unrecht ist? Und muss Strafe wirklich sein? Fragen wie diese beantwortet Katy Hoffmeister am 27. März im Audimax. An Rostocks Uni kennt sich die Ministerin übrigens aus, schließlich hat die Doberanerin bis 1996 hier Rechtswissenschaften studiert. Und sollte sie noch Tipps fürs Dozieren brauchen, kann sie sich diese bei ihrem Mann abholen: Bodo Wiegand-Hoffmeister, ebenfalls Jurist, ist Rektor an der Hochschule Wismar. Deren Campus ist nach Rostock das nächste Ziel der Justizministerin. Am 29. März wird Katy Hoffmeister dort Acht- bis Zwölfjährigen von Gaunern, Gesetzen und Gefängnissen erzählen.

Die nächsten Termine für Rostocks clevere Kids sind indes bereits gesetzt: Am 10. April entführt Chemikerin Gisela Boeck die Heranwachsenden mit ihrem Vortrag „Alles ist eine Frage der Ordnung“ in das Reich der Elemente. Am 29. Mai reist Chorleiter Markus Langer mit dem jungen Auditorium durch die Zeit und besucht das Musikgenie Johann Sebastian Bach, bevor dann am 26. Juni Zoo-Mitarbeiter Katrin Schüler frei nach dem Motto „Findet Nemo“ mit den Kindern abtaucht in die bunte Unterwasserwelt tropischer Meere.

(Text: Antje Bernstein, Fotos: Tilo Stolpe)

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