Warum Blumen farbig sind

Die Rostocker Kinderuni am Mittwoch drehte sich um die Botanik - erstmals online.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. „Der, die, das! Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!“ Mit diesem fröhlich gesummten Lied der Sesamstraße startete die Rostocker Kinderuni am Mittwoch pünktlich um 15 Uhr. Aber wo sind denn all die Kinder, fragt sich Moderator Martin Hensel? „Wir machen das heute doch zum ersten Mal online – im Livestream“, erklärt seine Kollegin Julia Taubert. „Heißt das, die sind alle da drin?“, fragt Martin wieder und schaut winkend in die Kamera. Tatsächlich ist das Audimax leer – fast. Denn natürlich sind Professor Stefan Porembski, Julius Köhler und Luiz Bondi vom biowissenschaftlichen Institut der Uni Rostock da. Sie alle kennen sich bestens mit Botanik aus und erklären den Kindern diesmal, warum Blumen eigentlich farbig sind und was zum Beispiel die Biene damit zu tun hat. Live dabei sein dürfen nur die beiden OZ-Kinderreporter Hannes und Paul (10), die gespannt lauschen und fleißig mitschreiben.

„Koevolution ist ein wichtiges Stichwort. Und Symbiose“, sagt Porembski. Gerade als er anfangen will zu erklären, muss die Vorlesung kurz unterbrochen werden. Es gibt Übertragungsprobleme im Livestream. Doch nur einige Minuten später kann es weitergehen. „Also, diese komplizierten Wörter bedeuten, dass verschiedene Arten gelernt haben zusammenzuarbeiten, um sich gegenseitig einen Vorteil zu verschaffen. Sie haben sozusagen Freundschaft geschlossen“, erzählt der Professor. So wie zum Beispiel die Biene und die Blume.

Mit ihren bunten Farben locken die Blumen Insekten an. „Sie sagen damit ’ich bin interessant, besuch mich’“, sagt Porembski. Als Belohnung für den Besuch bekomme das Insekt, wie die Biene, dann Nektar. Gleichzeitig werde die Blume bestäubt. „So haben alle was davon“, weiß der Botaniker.

Für uns Menschen sei das auch ganz wichtig, dass diese Symbiose funktioniert. Denn ohne das Bestäuben der Blüten entstehen später keine Früchte, die wir ernten und essen können, erklärt Porembski. Und die esse er doch auch so gerne, meint er, und beißt herzhaft in einen der mitgebrachten Äpfel aus dem Botanischen Garten in Rostock, ehe er an seinen Kollegen Julius Köhler übergibt. Er erzählt nun, dass wir Menschen teilweise andere Farben sehen können als Insekten: „Die Biene kann kein Rot sehen, dafür aber Ultraviolett – die Lichtfarbe, die zum Beispiel Sonnenbrand verursacht. Die können wir aber wiederum nicht sehen.“ Dadurch nehme die Biene auf der Blume sogenannte Saftmale wahr, die sie direkt zum Nektar leiten – quasi wie es eine Landebahn bei Nacht für Flugzeuge durch ihre Lichter macht. Und dann hat sich die Natur noch etwas ganz Schlaues einfallen lassen: „Manche Blüten haben eine Ampelschaltung für ihre Bestäuber. Die Rosskastanie zum Beispiel. Eigentlich sind ihre Blüten cremeweiß – aber nur, wenn sie noch nicht bestäubt sind. Gibt es noch etwas Nektar zu holen, verfärben sie sich gelblich, ist der Nektar alle, sind sie rot“, erzählt Köhler. Doch nicht jede Pflanze ist so nett, es gibt auch Betrüger, wie die Dracula vampyra: „Sie lockt Fliegen mit Pilzgeruch an. Die bekommen dann aber gar nichts zu essen, sondern die Dracula nur ihre Bestäubung“, weiß Köhler.

Auch Fliegen bestäuben also Blumen. Und für welche anderen Tiere gilt das noch? „Schmetterlinge natürlich. Und auf anderen Kontinenten sogar noch für ganz andere Tiere“, sagt der Botaniker und übergibt damit an seinen Kollegen Luiz Bondi aus Brasilien: „Auch Säugetiere und Vögel besuchen die Blüten, wie die Fledermaus oder der Kolibri“, erzählt er. Fledermäuse werden aber zum Beispiel vom Duft der Blume angezogen, da sie ja nachts im Dunkeln unterwegs sind.

Die dreiviertel Stunde Vorlesung ist bei so viel interessantem Wissen schnell vorbei. Nur auf eines will Porembski noch hinweisen: „Wir haben ein Problem: Die Insekten werden immer weniger – auch bei uns in Rostock. Deshalb müssen wir alle darauf achten, dass unsere Gärtenschön bunt sind und sie somit viele Möglichkeiten haben, dort zu wohnen.“ Hannes und Paul sind am Ende begeistert. „Ich habe so viel Neues gelernt. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass die Erde erst lange ganz grün war und erst in der Kreidezeit die Farben von den Blumen erfunden wurden“, freut sich Hannes. Und Paul meint: „Ich freue mich, dass ich mich jetzt so gut in einem neuen wissenschaftlichen Gebiet auskenne und nicht nur in der Physik.“ Sie nutzen ihre Chance und fragen Professor Porembski noch viele Löcher in den Bauch -und der hat auch noch einen Tipp für alle Kinder: „Wer noch mehr wissen möchte, sollte unbedingt zu uns in den Botanischen Garten kommen. Am besten im Frühjahr, wenn die Kirschen blühen.“

(Text und Fotos: Maria Baumgärtel)

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