Kinder-Uni: Warum brauchen wir Gefühle?

Vorlesung im Audimax am Ulmencampus: Neugierde trifft Begeisterung

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Endlich geht es los. Knapp 70 Kinder warten gespannt im Audimax am Ulmencampus. Das Thema diesmal: „Warum brauchen wir Gefühle?“ Die erste Vorlesung der Kinder-Uni Rostock, ein Kooperationsprojekt der Universität Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG, wird von Johannes Thome gehalten. Der Psychologe und Direktor der Poliklinik für Psychiatrie der Universitätsmedizin ist schließlich Spezialist für Gefühle.

Die Kinder sind gespannt. Jonas Mählitz (8) aus Rostock ist zum zweiten Mal bei der Kinder-Uni dabei. „Papa hat mich angemeldet“, sagt Jonas. „Wenn die Veranstaltung heute gut wird, studiere ich auch vielleicht.“ Die Veranstaltung startet mit dem Kinderlied der Sesamstraße „Wer nicht fragt, bleibt dumm“. „Freut ihr euch auf die Kinder-Uni?“, fragt der Rektor der Universität Rostock, Wolfgang Schareck, zu Beginn. „Jaa“, antworten die Kinder aufgeregt im Chor. „Und wie zeigt ihr das?“ Mit Gefühlen, ist die Antwort.

„Das Wichtigste an der Uni ist die Neugierde“, beginnt Thome. „Das haben Kinder ganz besonders.“ Die Kinder lernen ihr erstes Fachwort: Emotion. Thome erklärt mit Fotos von Gesichtsausdrücken, welche sechs Basisemotionen es gibt. Die Kinder rufen wild durcheinander, als sie die Fotos sehen, und erkennen Ärger, Ekel, Furcht, Freude, Trauer und Überraschung.

„Wir haben hier echt ein paar super Kids“, sagt Thome begeistert. Anschließend schauen sie sich Gefühle auf Englisch an und stellen schnell fest: Gefühle sind universell. Man versteht sie ganz ohne Sprache. Auch Emojis, die vielfältigen Gesichter im Smartphone, kennen die meisten Kinder. „Anhand von wenigen Strichen können wir Emotionen erkennen“, so der Experte.

Ein heller Labrador lächelt auf der nächsten Folie den Kindern mit breitem Grinsen entgegen. „Gibt es Gefühle nur bei Menschen“, fragt der Professor. Die Kinder erzählen von ihren Erfahrungen bei den eigenen Haustieren. Wenn ein Hund sich freut, wedelt er mit dem Schwanz, die Katze fängt an zu schnurren. „Doch auch Hunde erkennen unsere Gefühle“, sagt Thome und zeigt Fotos von einem Experiment, bei dem ein Hund menschliche Emotionen erkennen soll.

Weitere Fotos von Skorpion, Schlange und Spinen werden gezeigt, denn Tiere können auch Gefühle bei uns auslösen. Nicht immer sind die positiv. Auf einmal kommen zwei Clowns herein und rufen „Mannoman“, manchmal traurig, verängstigt, manchmal fröhlich und wütend. Die Kinder machen mit und ahmen die Emotionen im Echo nach. „Seht ihr, wie wir Gefühle mit wenig Worten ausdrücken können?“, fragt der Professor.

Gefühle seien wichtig, um miteinander zu kommunizieren, beispielsweise innerhalb der Familie. Der Experte erklärt, dass sie uns sogar retten können, wenn wir in einer gefährlichen Situation Angst haben. „Ohne Gefühle könnten wir nicht überleben“, schließt Thome. Fünf Klinik-Clowns, die Rostocker Rotznasen, kommen nochmal in den Raum und singen gemeinsam mit den Kindern den Song „Wenn du fröhlich bist, ...“, klatschen dabei in die Hände und trampeln auf dem Boden. Merle (9) und ihre kleine Schwester Ida (6) sind begeistert. „Das mit den Tieren hat mir am besten gefallen“, sagt Merle. Schließlich habe die Drittklässlerin selbst einen Hund und erkenne Gefühle bei ihm. Auch andere Kinder gehen zufrieden aus der Veranstaltung raus. „Wir haben etwas Neues gelernt“, sagt ein Junge.

„Die Kinder haben sehr spontan und ehrlich reagiert“, sagt Thome nach der Vorlesung. „Und die Clowns waren echt super.“ Auch Schareck ist zufrieden: „Eine schöne Vorlesung mit Interaktion und Begeisterung der Kinder. Neugierde trifft Begeisterung.“ Das Ziel der Veranstaltung, Kinder neugierig auf die Uni zu machen und zu zeigen, dass es ein „toller Ort“ ist, wurde erreicht.

„Es war sehr gut organisiert und die Hygieneregeln wurden eingehalten“, fasst Schareck zusammen. Die Kinder und Begleiter trugen bis zu ihrem Platz eine Maske und es wurde auf Abstand geachtet. Anstatt der üblichen 500 Teilnehmenden konnten diesmal nur 174 Kinder mit Begleitung in zwei Gruppen mitmachen.

(Text: Jule Damaske, Foto: Martin Börner)

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