Warum Wolken nicht vom Himmel fallen

Franz-Josef Lübken hat gestern bei der Kinder-Uni über das Himmelsphänomen erzählt

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Staunende Gesichter sind bei der Kinder-Uni ja nichts Neues. Aber gestern Nachmittag hat Professor Franz-Josef Lübken derart viele Experimente vorgeführt, dass die Knirpse immer wieder interessiert von ihren Stühlen aufstanden, um auch ja nichts zu verpassen. Der Leiter des Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn hat den etwa 300 großen und kleinen Zuhörern im Hörsaal Audimax das Himmelsphänomen „Wolken“ erklärt.

Bevor er jedoch die eigentliche Frage der letzten Kinder-Uni des Wintersemesters beantwortet hat – „Warum fallen Wolken nicht vom Himmel?“ – erklärt er zunächst, woraus sie überhaupt bestehen. Nämlich aus ganz kleinen Wassertröpfchen. Mit seinen beiden Assistenten Kathrin Baumgarten und Jens Söder führt er das erste Experiment des Tages vor: In einer sehr kalten Kiste befindet sich eine Glasscheibe. Als Söder diese nun herausnimmt, beschlägt sie sofort. Das ist Kondensation von Wassermolekülen an einer kalten Fläche, die von der Kälte in die Wärme gelangt. „Das mit dem Beschlagen kennen vor allem Brillenträger gut“, sagt Lübken schmunzelnd. Doktorandin Kathrin Baumgarten erwärmt die Scheibe schließlich mit warmer Luft aus dem Fön – so als würde man den Spiegel im Bad nach dem Duschen wieder freimachen vom Wasserdampf.

Im nächsten Schritt wird der Professor noch konkreter. Experiment Nummer zwei folgt. Wolken sollen in einer Glaskugel erzeugt werden. Die Kinder sollen diese Glaskugel ganz genau beobachten. Ein Schlauch wird auf die Öffnung gesetzt. Söder pumpt Luft in das Gefäß – nichts passiert. Dann kommt ein frisch ausgepustetes Streichholz in das Glas. Und plötzlich entsteht ein Gebilde, das einer Wolke verdammt ähnlich sieht. Alle sind begeistert. Lübken erklärt, was es mit dem Streichholz auf sich hat: „Wir brauchen, um Wolken zu erzeugen, nicht nur kalte Luft, sondern auch sogenannte Kondensationskeime im Gefäß.“ Die winzig kleinen Wasserteilchen brauchen nämlich nicht nur Kälte, sondern auch etwas, woran sie sich „festpappen“ können und das sind die Keime, erklärt der Professor den Zuschauern weiter.

Dass die Wolken nun aber im Himmel „hängen“ bleiben und nicht einfach wie Regentropfen oder Schneeflocken auf die Erde herunterfallen, habe mit Luftdruck zu tun. Zunächst will der Kinder-Uni-Dozent vorführen, wie Luftdruck beeinflusst werden kann. In einem Fass wird Wasserdampf eingeschlossen. Dann legen Söder und Baumgarten es in ein Wasserbad. Es schwimmt obenauf, Baumgarten begießt das Fass mit kaltem Wasser aus einer Gießkanne. Und plötzlich knallt’s – das Fass sinkt quasi in sich zusammen, eine große Delle entsteht. Warum? „Weil im Fass Unterdruck entstanden ist“, sagt der Professor. Und der Luftdruck von außen hat das Fass zerdrückt.

Auf besonders viel Gekicher stößt schließlich der Vorschlag von Lübken, dass die Kinder zum Wolkenbeobachten am besten zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens in den Himmel blicken sollten. „Aber nur im Sommer, so etwa ab Ende Mai“, betont er. Dann sei die Chance groß, leuchtende Nachtwolken zu entdecken. Sie kommen in etwa 83 Kilometern Höhe vor. Warum sie dort oben sind, wird gerade noch erforscht. „Es gibt sie nämlich scheinbar erst seit etwa 100 Jahren, und nun wird geguckt, ob sie sich durch den Klimawandel entwickelt haben“, erklärt Lübken.

Nach der Vorlesung hat die OZ-Zeitungsente Paula noch fleißig Geschenke für Weihnachten verteilt.

(Text: Claudia Tupeit, Fotos: Ove Arscholl)

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