Was hat Sankt Martin mit der Universität zu tun?

Mehr als 100 Kinder nehmen an der Kinder-Uni und am Laternenumzug teil

Stadtmitte. In der Universitätskirche ist eine große Leinwand aufgebaut, darauf wirft der Beamer den Titel des Vortrages von Frau Prof. Dr. Leticia Strumpfnadel: „Was hat Sankt Martin mit der Uni zu tun?“ Zuerst aber begrüßt der Universitätsrektor Wolfgang Schareck die Kinder. Wer Sankt Martin ist, wissen die mehr als 100 zuschauenden Kinder schon, was genau er aber mit der Uni zu tun haben soll, ist ihnen noch nicht so klar.

Dann kommt auch schon Frau Prof. Dr. Strumpfnadel (Isabelle Richter) in die Kirche geeilt, mit einem großen „Rumms“ und einer noch größeren Staubwolke pfeffert sie einige riesige Folianten auf den kleinen Tisch neben ihrem Podium. Als Rektor Schareck sie vor einigen Monaten gefragt habe, ob sie an diesem besonderen Tag einen Vortrag halten wolle, habe sie gerade ihre Habilitationsarbeit zum gleichen Thema fertiggestellt.

Doch Strumpfnadel kommt nicht einmal bis zum ersten Unterpunkt, der Gewandseparation, ihres Kapitels „Die Christlichwerdung St. Martins als kirchliches Selbstverständnis“, bevor Frau Kurz (Janina Sachsenmaier) mit Reifrock, Federn im Haar und roter Nase die Uni-Kirche stürmt. „Ich bin gebucht worden, um mit den Kindern Fasching zu feiern“, ruft sie auf die erstaunte Nachfrage Strumpfnadels, genauer Krachmacherfasching. Und ab da wird der anscheinend für ein Studenten-Publikum gedachtes Publikum gedachte Vortrag jedes Mal mit einer lautstarken Ratsche unterbrochen, wenn Frau Kurz etwas nicht versteht.

Da wird aus der Gewandseparation die Zerteilung des Mantels von Sankt Martin und aus dem Kapitelnamen „konzentrierten Beinhaltung als Kernstück der Uni-Gründung“ kurz und bündig: „Die Uni Rostock“. Strumpfnadel und Kurz erzählen in verständlichen Worten und mit kurzen Videosequenzen die Lebensgeschichte von Sankt Martin, der vom Soldaten zum Bischof wurde. Auch dass der Papst, der die Gründung der Uni erlaubte, Martinus hieß und damit die Verbindung zwischen St. Martin und der Uni ist, wird anschaulich erklärt. Dass das ankam, zeigte der laute und andauernde Schlussapplaus und die in den Kirchenbänken hüpfenden Kinder.

Die waren auch später noch begeistert: „Am besten war die Frau mit dem lustigen Kostüm“, fand Charlotte (6). Auch ihre Freundin Alma (ebenfalls 6) schwärmte von Frau Kurz: „Die war so lustig und ist immer in den Gängen rumgelaufen und hat Krach gemacht.“ Im echten Leben heißen Strumpfnadel und Kurz eigentlich Isabelle Richter und Janina Sachsenmaier und sind Theaterpädagoginnen.

In die Entwicklung des Projekts und die Proben haben die beiden rund 50 Stunden investiert. Die vier Themen St. Martin, Papst Martinus, Fasching und die Unigründung waren vorgegeben, alles andere haben sie sich selbst ausgedacht, erzählte Richter. Bei der Aufführung selbst hatten die beiden großen Spaß: „Wir waren sehr im Spiel und haben die Rollen gut ausgefüllt“, sagte Sachsenmaier im Anschluss.

Nach dem Sturm auf die Uni, in dem die Kinder nicht nur das Hauptgebäude, sondern auch die Zoologische Sammlung und das Kulturhistorische Museum erkunden konnten, fand noch ein kleiner Laternenumzug statt. Allen voran ritt ein Sankt Martin mit rotem Umhang: Robert Vietinghoff und Pferd Nico sind ein eingespieltes Team und schon seit mehreren Jahren bei Umzügen dabei. „Ich mache das für die Kinder, damit die Spaß haben und die Tradition aufrecht erhalten werden kann“, so Vietinghoff.

Zum Abschluss trat dann noch der Grundschulchor Jugendkunstschule Arthus mit dem Rap zu 600 Jahren Uni auf. Die sechs Kinder rappten über die Geschichte der Uni und das Lebensgefühl, das sie in Rostock vermittelt. Die für Kursleiterin Katharina Franz wichtigste Zeile rappt Svenja (9): „Die erste weibliche Professorin war Lola Zahn, nur hat es viel zu lang gedauert, bis es soweit kam.“

(Text: Jana Schubert, Fotos: Ove Arscholl)

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