Was sucht das Wildschwein in der Stadt?

Kinderuni hat wieder begonnen: Biologe Dr. Hinrich Zoller erzählt Spannendes über Rostocks Schwarzkittel.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Dass Wildschweine keine kuschligen Haustiere sind, haben am Mittwoch die kleinen Teilnehmer der Kinderuni erfahren. Bei der gemeinsamen Aktion der Universität Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG drehte sich alles um das Schwarzwild und die Frage „Was sucht das Wildschwein in der Stadt?“. Biologe und Jäger Dr. Hinrich Zoller wusste Anworten und konnte den kleinen Nachwuchsstudenten so einiges über die wilden Tiere erzählen. Damit eröffnete er gleichzeitig das diesjährige Winter-semester der Kinderuni.

„Ich wusste, dass Wildschweine gefährlich sind, aber nicht, dass sie auch so stark sein können“, sagt Max, 6 Jahre, nach der Vorlesung. Für ihn war es der erste Besuch bei der Kinderuni, aber ganz sicher nicht der letzte. Genau wie die anderen Kinder lauschte er gespannt den Geschichten von Hinrich Zoller. Zu Hause zog der Biologe selbst einmal Frischlinge mit der Hand auf, nachdem die Bache bei einem Autounfall getötet wurde. „Die drei habe ich Karlsson, Michel und Pippi genannt“, erzählt Zoller den Kindern, während er private Bilder aus der Aufzucht zeigt.

„Doch ausgewachsene Wildschweine können gefährlich sein, vor allem für den Menschen“, erklärt Zoller weiter. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Anzahl der Schweine stark erhöht –  von knapp 6000 in den 40er Jahren auf aktuell fast 76 000. Und damit wachsen auch die Gefahren: Zerstörte Gärten, Autounfälle und die Übertragung von Krankheiten seien nur einige Probleme, die die Wildschweine mit sich bringen.

Aber was treibt denn nun eigentlich die Wildschweine in die Stadt? „Die Tiere haben Hunger, vor allem im Winter finden sie in den Gärten der Menschen mehr als im Wald“, erklärt Zoller. Das findet vor allem der neunjährige Arne spannend. „Ich weiß, dass die Wildschweine gerne Kastanien und Eicheln fressen. Und hier vor der Uni stehen auch Kastanien- und Ei- chenbäume. Vielleicht kommt ja auch mal ein Wildschwein zur Uni.“ Und dann wurde es noch einmal richtig aufregend für die Kinder. Denn Zoller zeigte ihnen Videos, auf denen zu sehen ist, wie Schweine zurzeit in Rostock gefangen werden, um sie dann mit einem Sender auszustatten. „Das machen wir, damit wir die Anzahl der Wildschweine und ihre Fressrouten bestimmen können“, sagt Zoller. Denn wenn er und seine Kollegen die Wege der Tiere kennen, können sie so auch den möglichen Schäden vorbeugen. Und so funktioniert es: Eine Kamera überträgt das Geschehen im Käfig auf Zollers Computer. Ist ein Schwein in der Falle, braucht der Biologe nur noch an einer Schnur zu ziehen und der Käfig geht zu. „Dann rufe ich meist Verstärkung, denn um ein Wildschwein mit einem Sender zu versehen, braucht man Muckis, und man darf keine Angst haben“, erklärt er den Kindern. Bisher konnten so 43 Tiere in Rostock gekennzeichnet werden.

Ein echtes Wildschwein haben die meisten Teilnehmer der Kinderuni noch nie gesehen. Wenn, dann nur das bekannte Hausschwein. Dies, so erklärt Zoller, ist übrigens nur ein Wildschwein, das zu lange in der Wohnung war.


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