Weltraum-Show: Die Kinder-Uni hebt ab

Rekord-Start für das neue Semester: 550 Kinder lernten gestern einiges über die Raumfahrt – und erhielten eine Nachricht aus dem All.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Was haben Astronaut Alexander Gerst und ein Wurm in einem Apfel gemeinsam? Bei dieser Fragen schütteln selbst die größten der kleinen Weltall- Experten im Hörsaal der Rostocker Uni den Kopf. Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach – und die Frage auch nicht respektlos: „Wenn der Apfel vom Baum fällt, dann schwebt der Wurm in seiner Höhle. Dann ist er schwerelos. So wie die Astronauten auf der Internationalen Raumstation“, verrät Tobias Bohnhardt, Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luftund Raumfahrt (DLR). Denn die ISS macht im Grunde nichts anderes als ein reifer Apfel: Sie fällt permanent um die Erde herum.

Diese und noch viele weitere spannende Informationen rund um das Weltall und die Raumfahrt gab es am Mittwoch bei der OZ-Kinder-Uni zu hören. Für den Start in das neue Semester hatte sich das Team um Wiebke Loseries dieses Mal etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Raumfahrt-Show des DLR war zu Gast im Hörsaal – und bescherte der Kinder-Uni prompt einen neuen Rekord: „Zum ersten Mal überhaupt mussten wir gleich zwei Vorlesungen an einem Tag stattfinden lassen. Wir hatten dieses Mal 550 Kinder zu Gast an der Uni“, sagt Loseries. Vor dem Hörsaal-Gebäude an der Ulmenstraße bastelten Studenten und Wissenschaftler aus dem Fachbereich Physik mit den Kindern kleine Raketen zum Selberstarten, drinnen fackelte dann das DLR-Team mit Tobias Bohnhardt und seinen Kolleginnen Nadine und Sina ein wahres Wissenschaftsfeuerwerk ab – und eine „echte“ Rakete. Dabei mussten Konrad (10) und Helene (9) – beide Schüler an der Christophorusschule (CJD) – aber kräftig helfen: Sie mussten die Rakete aufpumpen. „Eine Rakete fliegt, weil hinten ganz viel komprimiertes Gas rauskommt. Das geht auch mit ganz normaler Luft“, erklärten die Wissenschaftler. 5, 4, 3, 2, 1 – und schon brauste die Luftrakete durch den Saal. Auch die anderen „Studenten“ dürfen das Prinzip ausprobieren: Mit Hunderten bunten Luftballons, die dann durch die Luft zischen.

Und damit noch nicht genug: Mit einer Brille für virtuelle Realität nahm das DLR-Team die Kinder mit auf einen Rundgang durch die Raumstation: Wo arbeiten die Astronauten? Wo schlafen und wo essen sie? Und: Wie gehen sie eigentlich auf Toilette dort oben in der Schwerelosigkeit? Auch den Lieblingsort von Alexander Gerst durften die Zuhörer kennenlernen – die Cupola, die Aussichtsstation der ISS. Mit Traumblick aus 400 Kilometern Höhe auf den blauen Planeten. Apropos: Planeten! Auch das Sonnensystem stellten die Wissenschaftler ihren möglichen Nachfolgern beim DLR vor – mit riesigen leuchtenden Ballons. Die wurden quer durch den Hörsaal verteilt – um mal zu zeigen, wie weit die Planeten eigentlich von einander entfernt sind. Und wie klein unsere Erde im Vergleich zu den anderen Himmelskörpern, wie Uranus, Saturn oder Jupiter, ist. Höhepunkt der Show: Deutschlands wohl bekanntester Raumfahrer – Alexander „Astro-Alex“ Gerst – meldet sich mit einer Grußbotschaft aus dem Weltall. Ein Gänsehautmoment für die vielen kleinen Forscher wie Nils: „Ich finde das Weltall total spannend – weil es dort immer Neues zu entdecken und zu erforschen gibt“, sagt der Zehnjährige, ebenfalls Schüler am CJD. „Wir wissen doch noch längst nicht alles.“ Ob er selbst mal zur ISS fliegen will: „Weiß ich noch nicht. Ich finde es irgendwie komisch, dass dort oben alles unendlich ist.“ Das Team des DLR hofft jedenfalls, dass Gerst bei vielen Kindern die Begeisterung für das Weltall weckt – und für die Naturwissenschaften. Bei den kleinen Studenten in Rostock hat das schon mal geklappt.

(Text & Fotos: Andreas Meyer)

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