Wenn die Eisenbahn über die Gleise schwebt

Dr. Josef Tiggesbäumker alias Lukas der Lokomotivführer reist mit den Kindern von Lummerland zum Nordpol und enthüllt physikalische Geheimnisse

Rostock. Wie funktioniert ein Kompass und warum finden Störche ihre Nester immer wieder? In der KinderUni am Mittwochnachmittag gab Dr. Josef Tiggesbäumker Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Magnetismus. Mit äußerst anziehenden Experimenten brachte er das gesamte Publikum zum Staunen und animierte vor allem die kleinen Besucher zum Mitmachen. Doch Vorsicht war geboten: Rasende Batterien und fliegende Aluminium-Ringe verwandelten den Hörsaal in ein physikalisches Versuchslabor.

Verkleidet als Lukas der Lokomotivführer betritt Tiggesbäumker Rostocks Audimax. „Kennt ihr alle Jim Knopf?“, fragt er die Jungen und Mädchen, die ihm lautstark zujubeln. „Dann will ich euch heute auf eine Reise zum Magnetberg mitnehmen“, so der Physiker. Anhand des Buches „Jim Knopf und die Wilde 13“ vom Schriftsteller Michael Ende und einfachen Tricks, frei nach dem Motto „Entweder es klappt, oder es klappt nicht“, führt er die Kinder in die Welt der Wissenschaft ein.

Für das erste Experiment benötigt der Dozent Weintrauben, Papier oder Büroklammern. Mit einem starken Magneten zeigt er den Kindern, welche der Gegenstände angezogen werden. Lediglich die Büroklammern bleiben haften. „Das weiß doch jedes Kind“, ruft einer der kleinen Studenten. Aber woran liegt das? Auch hier weiß der Junge die Antwort: „Weil da Eisen drinnen ist.“

Schwieriger scheint die Antwort auf die Frage, wieso die Kompassnadel stets nach Norden zeige. „Ähnlich wie in der Geschichte von Michael Ende glaubten die Menschen früher, dass am Nordpol ein Magnetberg steht, der die Nadel anzieht“, erzählt Tiggesbäumker. Ganz so sei es aber nicht. Die gesamte Erde sei ein Magnet. Die magnetische Kompassnadel richte sich immer nach dem Magnetfeld der Erde und helfe Menschen so, den richtigen Weg zu finden.

„Nicht nur wir Menschen, auch Tiere orientieren sich am Erdmagnetfeld“, verrät der Physiker. Viele Tierarten unternehmen im Verlauf des Jahres lange Wanderungen, zum Beispiel Störche. „Zugvögel haben einen speziellen Orientierungssinn und können sich am Erdmagnetfeld orientieren. So finden sie stets den Weg zu ihren Nestern“, erläutert der Doktor der Physik.

Um den Heranwachsenden zu verdeutlichen, wie stark ein Elektromagnet sein kann, bat Tiggesbäumker sechs Kinder zu sich an die Tafel. Sie sollten beim „Tauziehen“ versuchen, den Nord- und Südpol des Magneten auseinanderzubekommen. Doch keine Chance – ihre Kraft reicht nicht aus. „Dann will ich euch mal helfen“, sagt der Physiker und schaltet einen Hebel um. Prompt zerfällt der Magnet in zwei Teile. „Ich habe den Stromfluss durchbrochen“, erklärt Tiggesbäumker. Mit Spannung verfolgt Johann das Geschehen. Besonders gefalle ihm die Raketenschleuder, die der Physiker und sein Team als Nächstes vorstellen. Immer wieder lassen sie einen Aluminium-Ring in die Höhe schießen. „Ich hätte nicht gedacht, dass der bis an die Decke fliegen kann“, staunt der Siebenjährige. Auch die Batterie, die sich wie durch Geisterhand durch eine Silberdrahtspule bewegt, gefällt ihm. „Richtig cool, wie schnell die ist.“

Mia und Oskar hingegen können ihren Blicke gar nicht mehr von Emma, der Modell-Lokomotive abwenden. Mit funkelnden Augen schauen sie zu, wie diese immer im Kreis fährt – oder eher schwebt. „Das habe ich noch nie gesehen“, staunt die Sechsjährige. Ganz ohne die magnetischen Schienen zu berühren, dreht die Lokomotive ihre Runden. Wie das Ganze funktioniert, erklärt ihnen Norman Ive, Doktorand am Institut für Physik. „Das Experiment ist mit Abstand das coolste“, sagt Oskar.

(Text: Susanne Gidzinski, Fotos: Dietmar Lilienthal)

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