Wenn die Welt auf den Kopf gestellt ist

Kinderuni: Zum Thema Wahrnehmung wartete Prof. Uwe Zettl mit einigen Experimenten und optischen Täuschungen auf.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Nach oben fließendes Wasser, Gorillas, die keiner bemerkt, und optische Täuschungen gab es gestern bei der Kinderuni im Audimax. Prof. Uwe Zettl, Neurologe in Gehlsdorf, hielt seine Vorlesung zum Thema: „Wie funktioniert das Sehen, Wahrnehmen, Denken?“ Und um zu demonstrieren, welche Streiche das Gehirn spielen kann, forderte er gleich am Anfang zwei Freiwillige auf, sich an einem ganz besonderen Experiment zu beteiligen.

So bekamen Mattes Harm und seine Mutter Uta nacheinander eine Brille aufgesetzt, die alles, was sie sahen, auf den Kopf stellte. Unter dieser Voraussetzung sollten die beiden Wasser in ein Glas füllen. Während Mattes das noch relativ gut hinbekam, scheiterte seine Mutter und verschüttete alles. Hätte sie die Brille allerdings eine halbe Stunde länger aufbehalten, erklärte Zettl, dann hätte das Gehirn automatisch alles wieder richtig gedreht. Das sorgte für Staunen beim Publikum.

Anschauliche Vorlesungen wie diese findet Pia Rabending (10) aus Groß Schwaß besonders toll. „Ich mag es, dass man bei der Kinderuni so viel lernen kann. Die Experimente finde ich richtig cool“, sagte die Schülerin. Mileen Gielow freute sich über den anatomischen Teil der Vorlesung. Denn als Grundlage für seine Ausführungen hatte der Professor erklärt, wie das Auge überhaupt aufgebaut ist. „Ich fand es toll, dass er erklärt hat, wie das Sehen überhaupt funktioniert“, erzählte sie. „Das Experiment mit den Gläsern fand ich auch gut.“

Im Laufe der Dreiviertelstunde zeigte Zettl den Schülern auch einige Vexierbilder. Das Besondere an denen: Sie beinhalten zwei Motive in einem, was meistens erst auf den zweiten Blick deutlich wird. Eines dieser Bilder zeigte offensichtlich für alle einen Mann in einem Boot, der einen großen Fisch gefangen hatte. Als der Professor das Bild drehte, wurde das Motiv jedoch zu einem großen Vogel, der etwas in seinem Schnabel hatte.

Für besondere Aufregung sorgte ein Video, das Zettl dem Publikum zeigte, um deutlich zu machen, wie leicht sich die menschliche Wahrnehmung ablenken lässt. In dem Film spielen sich zwei Teams, eines in Schwarz, das andere in Weiß gekleidet, einen Ball zu. „Zählt doch mal, wie oft sie sich den Ball zuspielen“, forderte Zettl auf. Nachdem jeder seine Antwort loswerden konnte, zeigte er das Video noch einmal. Dieses Mal sollten sie auf den Gorilla achten. Und tatsächlich: Mitten im Spiel der beiden Teams lief ein Mensch im Affenkostüm durchs Bild – den hatte vorher fast niemand bemerkt, weil alle sich auf etwas anderes konzentrierten. Viele der Kinder schlugen sich lachend an den Kopf.

Am Ende waren wieder viele Kinder schlauer als vorher. Genau das schätzt Silas Rausch (7) an der Kinderuni: „Ich komme so gern her, weil man immer so viel Neues lernen kann.“

Die nächste Gelegenheit dazu gibt es im September. Nach der Sommerpause dreht sich bei der Kinderuni alles um den Astronauten Alexander Gerst, der gerade ins All geflogen ist.

 

 

Die Kinderuni aus Sicht des Kinderreporters


Nicht nur die OZ hatte gestern Zettel und Stift gezückt, um von der Kinderuni zu berichten. Unterstützung gab es von Friedrich Ahrens. Der Achtjährige aus Gehlsdorf durfte die Rolle des Kinderreporters übernehmen. Während der Vorlesung notierte Friedrich sich, was er besonders spannend fand. Unter anderem: „Die Pupille zieht sich zusammen, wenn viel Licht ist. Bei wenig Licht geht die Pupille auseinander.“ Außerdem beschrieb er ein kleines Experiment: Die Kinder sollten einen Kreis mit violetten Punkten ansehen, danach auf eine weiße Fläche. „Schaut man auf das leere Blatt, sieht man grüne Punkte“, fasst Friedrich zusammen. Vielen Dank für die tatkräftige Unterstützung!

(Text & Foto: Christina Milbrandt)

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