„Wie eine große Bibliothek“: Rostocker Kinderuni erklärt das Internet

Wie stelle ich einem Computer Fragen? Welche Fragen kann mir ein Computer überhaupt beantworten? Und woher weiß ich, ob es die richtige Antwort ist? Um alle diese Fragen ging es in der Kinderunivorlesung im Mai. Welche Antworten die Physikerin Dr. Andrea Sengebusch gab und den Livestream zum nachschauen:

Rostock. Alexa, Google Home oder Siri: In vielen Haushalten sind diese Assistenzsysteme nicht mehr wegzudenken. Diesen sogenannten Smart Speakern kann man Unmengen an Fragen stellen und bekommt auch oft eine Antwort. „Aber eine Frage konnte mir mein Gerät zu Hause nicht beantworten“, sagt Dr. Andrea Sengebusch. „Nämlich die Frage: Macht das Internet dumm?“

Bei der Kinderuni-Veranstaltung der Universität Rostock im Mai konnten die kleinen und großen Entdecker viel über das Internet und zu Computern erfahren. Dr. Andrea Sengebusch ist Physikerin an der Universität Rostock und erklärte den neugierigen Kindern im Livestream, wie man einen Computer Löcher in den Bauch fragen kann.

Internet macht das Leben leichter
„Fragen stellen ist wichtig für alle Kinder“, ist sich die promovierte Physikerin sicher. Egal ob vor 60 Jahren oder vor 30 – oder gar heute. Damals sei es noch nicht so einfach gewesen wie heute, seine Fragen loszuwerden. Auch die Dozentin der Kinderuni hatte als Kind viele Fragen. „In der Schule und der Bibliothek konnte ich meine Fragen loswerden“, erzählt sie in Richtung Kamera und beginnt zu grinsen. „Und meine Eltern waren manchmal schon genervt davon, dass ich so viel wissen wollte.“

Durch Computer und Internet ist es für die Kinder heutzutage leichter, Fragen loszuwerden und Antworten zu bekommen. Denn: Das Internet funktioniert wie eine große Bibliothek. Doch bei der Recherche ist Vorsicht geboten, mahnt die Physikerin. Es müsse die richtige Frage gestellt werden, um eine gute Antwort zu bekommen. „Je genauer die Frage, desto Präziser die Antwort“, fasst sie zusammen.

Manchmal unpräzise Antworten
Dass das Internet nicht immer einen ganzen Satz benötigt, zeigt sie am Beispiel des Wortes „Regen“: Die Suchmaschine im Internet gibt den Wetterbericht heraus. „Die Suchmaschinen arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten“, erklärt Andrea Sengebusch. „Viele Menschen haben schon einmal ‚Regen‘ in die Suchleiste eingegeben, weil sie wissen wollten, ob es heute regnet. Und das Internet geht jetzt davon aus, dass ich das auch wissen möchte.“

Auch sagt sie, dass es einige Dinge gibt, die das Internet nicht beantworten könne. Beispielsweise ganz persönliche Sachen. Oder Dinge, die Menschen mit „Es kommt darauf an“ beantworten würden. Wenn es also keine eindeutige Antwort gebe, sei es auch für das Internet schwierig. Allgemeine oder eindeutige Fragen hingegen könne ein Computer super gut beantworten.

Antworten kritisch hinterfragen
Und wer füllt die Bibliothek im Internet? „Jeder“, sagt die Expertin. Das ist insofern sinnvoll, dass jede Meinung gehört wird und jeder Fragen beantworten könne, wenn er eine Antwort habe. Aber es kann auch ein Problem werden, denn „jeder kann mitmachen heißt auch – jeder kann Quatsch schreiben“. Es sei wichtig, die Antworten kritisch zu hinterfragen und zu schauen, ob man der Quelle vertrauen könne. Dafür gibt sie den kleinen Forschern der Kinderuni Tipps, worauf sie achten können. Bei einer guten Antwort gibt es Hinweise zum Autoren und zur Quelle. Eine zweite Meinung einholen sollte man sich, wenn es um Werbung geht. Außerdem spiele die Aktualität eine wichtige Rolle sowie der Unterschied zwischen Fakten und Meinungen.

„Vor allem Letzteres ist schwierig einzuschätzen, nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene haben häufig Probleme damit“, sagt die Dozentin ernst und erklärt daraufhin kindgerecht, was ein Fakt ist und was eine Meinung. „Es ist ein Lernprozess, sicher im Internet Antworten zu finden“, sagt sie zum Abschluss und ermutigt die Kinder, das Internet zu erforschen und andere Suchmaschinen auszuprobieren, als die, die Antworten für Kinder geben. „Es ist wichtig zu verstehen, wie ich mich in dem Dschungel des Internets zurechtfinde.“

(Text: Stefanie Ploch, Foto: privat)

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